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103 Genome und ein neuer Stammbaum: Was Fledermäuse über Evolution verraten

Das Bat1K-Konsortium hat hochwertige Genome von 103 Fledermausarten aus allen 21 Familien verglichen. Die Daten ordnen ihren Stammbaum neu und grenzen den Ursprung der Tiere auf vor 60 bis 65 Millionen Jahren ein.

Stand: 13. Oktober 2026, 08:50 Uhr MESZ.

Fledermäuse sind evolutionäre Ausnahmetalente. Sie sind die einzigen Säugetiere mit aktivem Flug, viele Arten navigieren per Echoortung, einige erreichen für ihre Körpergröße ungewöhnlich hohe Lebensalter. Trotzdem war ihr Stammbaum lange erstaunlich unscharf.

Das internationale Bat1K-Konsortium hat nun Genome von 103 Arten aus allen 21 Fledermausfamilien zusammengeführt. Die im Oktober in Nature vorgestellten Daten erlauben es, widersprüchliche Verwandtschaftssignale besser zu erklären.

Warum ein Stammbaum aus DNA schwierig ist

Evolution hinterlässt kein einzelnes Geschichtsbuch. Verschiedene Abschnitte eines Genoms können unterschiedliche Geschichten erzählen. Bei rascher Artaufspaltung werden genetische Varianten aus einer gemeinsamen Vorfahrenpopulation zufällig auf neue Linien verteilt. Dadurch kann ein einzelnes Gen eine andere Verwandtschaft nahelegen als der überwiegende Teil des Genoms.

Große, hochwertige Genomdatensätze helfen, solche Effekte zu erkennen. Statt wenige Marker zu vergleichen, können Forschende Millionen Positionen und strukturelle Veränderungen betrachten.

Ein Ursprung vor rund 60 bis 65 Millionen Jahren

Durch die Kombination genetischer und fossiler Daten kommt das Team zu dem Ergebnis, dass die frühen Fledermäuse wahrscheinlich vor etwa 60 bis 65 Millionen Jahren entstanden. Die Analyse weist Europa eine wichtige Rolle in der frühen Geschichte zu. Solche geografischen Rekonstruktionen bleiben stärker modellabhängig als die bloße Feststellung genetischer Verwandtschaft.

Mehr als Taxonomie

Ein stabilerer Stammbaum ist Grundlage für weitere Fragen. Erst wenn bekannt ist, welche Merkmale unabhängig voneinander entstanden sind, lässt sich untersuchen, welche genetischen Veränderungen mit Flug, Echoortung, Immunsystem oder Langlebigkeit zusammenhängen.

Das macht die Arbeit zu mehr als einer Neuordnung von Tiernamen. Vergleichende Genomik nutzt die Vielfalt der Evolution als natürliches Experiment. 103 Arten liefern dabei nicht 103 isolierte Baupläne, sondern 103 Varianten eines gemeinsamen Säugetier-Erbes.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Recherche- und Linkprüfung: 13.10.2026, 08:50 Uhr MESZ.