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Mediencheck: Haben ukrainische Angriffe auf Yandex russische Propaganda-Bots ausgeschaltet?

Nach Angriffen auf russische Rechenzentren verbreiteten sich Grafiken, wonach prorussische und AfD-nahe Bot-Netze plötzlich verstummt seien. Die Belege tragen diese Schlussfolgerung nicht.

Ausgangsbehauptung: Ukrainische Angriffe auf Rechenzentren des russischen Internetkonzerns Yandex hätten große russische Propaganda-Botnetze ausgeschaltet; als Beleg werden sinkende Aktivitätskurven bestimmter Accounts verbreitet.

Urteil: unbelegt. Die Angriffe auf russische Rechenzentren sind real. Daraus folgt jedoch nicht, dass beobachtete Änderungen bei Social-Media-Accounts technisch auf diese Angriffe zurückgehen.

Was tatsächlich passiert ist

Die Ukraine hat russische Rechenzentrumsinfrastruktur angegriffen. Kurz danach verbreiteten sich in sozialen Netzwerken Grafiken und Erfolgsmeldungen, wonach zahlreiche prorussische, rechtsgerichtete oder AfD-nahe Accounts verstummt seien. ZDFheute hat die viralen Belege geprüft.

Das Kernproblem ist Kausalität. Selbst wenn eine Gruppe von Accounts nach einem Angriff weniger postet, beweist zeitliche Nähe noch keine technische Verbindung zu Yandex. Bots können auf anderer Infrastruktur laufen, Accounts können pausieren, Plattformen können Sperren aussprechen und Datenauswertungen können durch Auswahl der untersuchten Konten verzerrt sein.

Was für einen belastbaren Nachweis nötig wäre

Man bräuchte technische Indikatoren: Hostingdaten, Netzwerkpfade, Command-and-Control-Infrastruktur, Logdaten oder nachvollziehbare forensische Analysen. Eine Grafik mit Aktivitätsverläufen reicht nicht. Hinzu kommt, dass der Begriff „Bot“ online häufig unscharf verwendet wird. Automatisierte Accounts, koordinierte menschliche Netzwerke und gewöhnliche politische Nutzer sind nicht dasselbe.

Warum die Geschichte trotzdem attraktiv ist

Die Erzählung bietet einen klaren Ursache-Wirkungs-Bogen: Rechenzentrum getroffen, Propaganda verschwunden. Gerade in einem Informationskrieg sind solche einfachen Erfolgsgeschichten verführerisch. Pro-ukrainische Haltung ersetzt aber keine Belegprüfung. Wer russische Desinformation kritisiert, sollte an eigene Erfolgsmeldungen mindestens denselben Standard anlegen.

Fazit: Dass russische digitale Infrastruktur angegriffen wurde, ist belegt. Dass dadurch die in den viralen Grafiken genannten Propaganda-Accounts abgeschaltet wurden, ist nach öffentlich verfügbaren Belegen nicht nachgewiesen.

Original-/Prüfquelle: ZDFheute Faktencheck, 13.10.2026. Link geprüft 16.10.2026.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Stand: 16.10.2026, 08:00 MESZ.