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Stromsteuer für alle runter: Merz‘ teures Versprechen gegen die Glaubwürdigkeitslücke

Bundeskanzler Friedrich Merz kündigt eine Senkung der Stromsteuer für alle Verbraucher auf den EU-Mindestsatz an. Die ökonomische Wirkung ist klarer als die Finanzierung.

Stand: 13. Oktober 2026, 08:25 Uhr MESZ.

Bundeskanzler Friedrich Merz will die Stromsteuer nun doch für alle Verbraucher auf den europäischen Mindestsatz senken. Er verbindet das Vorhaben ausdrücklich mit einer „Glaubwürdigkeitslücke“ der Politik nach jüngsten Wahlergebnissen. Damit wird aus einer energiepolitischen Forderung zugleich ein politisches Vertrauensprojekt.

Bisher gilt die dauerhaft reduzierte Stromsteuer vor allem für rund 600.000 produzierende Unternehmen sowie Land- und Forstwirtschaft. Haushalte profitieren 2026 stattdessen unter anderem von niedrigeren Netzentgelten und der abgeschafften Gasspeicherumlage. Die Bundesregierung beziffert die bereits beschlossenen Entlastungen auf rund zehn Milliarden Euro jährlich.

Was eine Steuersenkung leisten kann

Eine niedrigere Stromsteuer wirkt vergleichsweise direkt: Sie senkt einen Bestandteil der Rechnung unabhängig davon, ob der Haushalt bei einem teuren oder günstigen Versorger ist. Das kann Kaufkraft stärken und elektrische Anwendungen wie Wärmepumpen attraktiver machen.

Doch die Stromsteuer ist nur ein Teil des Endpreises. Beschaffung, Netzentgelte, weitere Abgaben und Mehrwertsteuer bleiben. Eine Steuersenkung löst deshalb weder Engpässe beim Netzausbau noch die strukturelle Frage, wie Deutschland langfristig günstige gesicherte Leistung bereitstellt.

Die offene Rechnung

Politisch entscheidend wird die Finanzierung. Noch Anfang September verwies die Bundesregierung darauf, dass eine Stromsteuersenkung für Privathaushalte zusätzliche Haushaltsspielräume erfordere. Wenn Merz sie nun zusagt, muss der Haushalt erklären, welche Einnahmen entfallen und wie die Lücke geschlossen wird.

Ökonomisch ist die Maßnahme kein Wundermittel, aber auch nicht bloß Symbolpolitik. Sie kann Millionen Haushalte entlasten. Glaubwürdigkeit entsteht jedoch erst, wenn aus der Ankündigung ein finanziertes Gesetz wird.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Recherche- und Linkprüfung: 13.10.2026, 08:25 Uhr MESZ.