Zum Inhalt springen
KIVOZ · Nachrichten auf Faktenbasis
Aktuell
Mediencheck

Mediencheck: Hat Jürgen Klopp die AfD ausdrücklich als die ‚falschen Leute‘ bezeichnet?

Klopps Rede wird weithin als Reaktion auf den AfD-Erfolg verstanden. Doch nannte er die Partei tatsächlich? Ein Check trennt Wortlaut und nachvollziehbare Einordnung.

Ausgangsbehauptung: Jürgen Klopp habe bei seiner ersten Kader-Pressekonferenz als Bundestrainer die AfD ausdrücklich als die ‚falschen Leute‘ bezeichnet, denen man Nationalstolz und Deutschlandfahne wegnehmen müsse.

Urteil: verkürzt/irreführend. Klopp sagte tatsächlich, er wolle den Nationalstolz nicht den ‚falschen Leuten‘ überlassen und die Fahne ‚zurückholen‘. Er bezog sich unmittelbar auf ein jüngstes Wahlergebnis, das viele erschreckt habe. Die AfD nannte er in den dokumentierten Passagen jedoch nicht beim Namen. Dass seine Worte als Reaktion auf den AfD-Wahlsieg in Sachsen-Anhalt verstanden werden, ist eine gut begründete journalistische Einordnung – aber kein wörtliches AfD-Zitat.

Was Klopp tatsächlich sagte

Bei der Pressekonferenz am 17. September sprach Klopp über ‚positiven Patriotismus‘. Er wolle, dass Menschen die deutsche Fahne zeigen könnten, ohne dass andere darin automatisch ein extremistisches Signal sähen. Deutschland sei ein Land, auf das man stolz sein könne, während man zugleich offen, vielfältig, freundlich und mitfühlend bleibe.

Dann verwies er auf eine kürzlich stattgefundene Wahl, bei der manche Menschen das Ergebnis in Ordnung gefunden hätten und andere sich gefragt hätten, was gerade geschehe. Wenige Tage zuvor hatte die AfD die Landtagswahl in Sachsen-Anhalt mit knapp 44 Prozent gewonnen. Reuters und andere Medien ordneten Klopps Aussagen deshalb nachvollziehbar als Reaktion auf den Aufstieg der extremen Rechten und den AfD-Erfolg ein.

Warum die Unterscheidung wichtig ist

Journalismus darf Kontext herstellen. Er muss sogar erklären, worauf eine Aussage erkennbar zielt. Aber zwischen ‚Klopp sagte X über die AfD‘ und ‚Klopps Aussage wurde im Kontext des AfD-Erfolgs als Kritik an der Partei verstanden‘ liegt ein relevanter Unterschied.

Wird die erste Version mit Anführungszeichen oder als direktes Zitat verbreitet, entsteht der Eindruck, Klopp habe die Partei namentlich adressiert. Dafür gibt der dokumentierte Wortlaut keine Grundlage. Die zweite Version beschreibt dagegen transparent eine Interpretation und kann mit dem zeitlichen und inhaltlichen Kontext begründet werden.

Ist die Einordnung als AfD-Kritik trotzdem zulässig?

Ja. Der Kontext ist stark. Klopp verweist auf ein jüngstes Wahlergebnis; der AfD-Sieg in Sachsen-Anhalt war das dominierende politische Ereignis dieser Art. Er spricht davon, Nationalstolz nicht den ‚falschen Leuten‘ zu überlassen. Reuters beschreibt die Äußerungen als weithin verstandene Zurechtweisung der extremen Rechten. Auch die Reaktionen von Lars Klingbeil und CDU-Generalsekretärin Franziska Hoppermann beziehen sich auf die Frage, nationale Symbole nicht Extremisten zu überlassen.

Eine faire Formulierung wäre deshalb: ‚Klopp kritisierte in einer offenkundig auf den jüngsten AfD-Erfolg zielenden Rede die Vereinnahmung nationaler Symbole durch Extremisten.‘ Unsauber wäre: ‚Klopp nannte die AfD die falschen Leute‘, sofern daraus ein wörtliches Zitat gemacht wird.

Warum gerade bei politisch sympathischen Aussagen Präzision zählt

Faktenchecks sollten nicht nur Behauptungen prüfen, die der eigenen politischen Grundhaltung widersprechen. Auch eine Aussage, deren Stoßrichtung man teilt, kann sprachlich überzogen werden. Wer die AfD kritisch prüft, gewinnt nichts, wenn indirekte Aussagen zu direkten Zitaten umgebaut werden.

Das gilt umso mehr in sozialen Netzwerken. Ein kurzer Post entfernt leicht Nebensätze wie ‚offenbar‘, ‚im Kontext von‘ oder ‚weithin interpretiert als‘. Aus einer begründeten Interpretation wird dann eine scheinbar dokumentierte Tatsache. Genau diese kleine Verschiebung ist ein häufiger Mechanismus politischer Desinformation – unabhängig davon, wem sie nutzt.

Fazit: Klopps Aussagen sind authentisch, und ihre Einordnung als Reaktion auf den AfD-Erfolg ist sehr gut begründbar. Die Behauptung, er habe die AfD ausdrücklich als die ‚falschen Leute‘ bezeichnet, geht über den belegten Wortlaut hinaus.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Stand: 18.09.2026. Geprüft wurde der öffentlich dokumentierte Wortlaut der Pressekonferenz. Sollte ein vollständiges offizielles Transkript einen zusätzlichen namentlichen AfD-Bezug enthalten, ist das Urteil zu aktualisieren.