Stand: 9. Oktober 2026, 08:00 Uhr MESZ. Eine neue Serie russischer Luftangriffe hat in der Ukraine innerhalb von zwei Tagen mehr als 70 Menschen getötet. Besonders schwer getroffen wurde Kramatorsk im Osten des Landes: Reuters berichtet unter Berufung auf ukrainische Behörden von mindestens 35 Toten nach einem russischen Bombenangriff.
Die Angaben können sich während laufender Rettungsarbeiten noch ändern. KIVOZ nennt deshalb Zeitpunkt und Quelle ausdrücklich. Neben Kramatorsk wurden auch andere Regionen von Drohnen- und Raketenangriffen getroffen, darunter Dnipropetrowsk und Iwano-Frankiwsk. In den Tagen zuvor hatte Russland bereits eine der größten Angriffswellen des Jahres gestartet.
Wieder zivile Räume im Zentrum der Folgen
Russland erklärt regelmäßig, militärische oder militärisch-industrielle Ziele anzugreifen. Die dokumentierten Folgen treffen jedoch immer wieder Wohnhäuser, Straßen, Energieversorgung und andere zivile Infrastruktur. Ob ein konkreter Angriff ein Kriegsverbrechen darstellt, muss anhand von Ziel, eingesetzter Waffe, militärischem Vorteil und erwartbarem Schaden untersucht werden. Dass Zivilisten geschützt werden müssen, ist dagegen keine Interpretationsfrage, sondern Kern des humanitären Völkerrechts.
Die Luftverteidigung bleibt der Engpass
Präsident Wolodymyr Selenskyj fordert von westlichen Partnern erneut zusätzliche Luftverteidigung und Sanktionen gegen Russland. Moderne Systeme können einen Teil der Raketen und Drohnen abfangen, doch keine Luftverteidigung bietet vollständigen Schutz. Besonders ballistische Flugkörper stellen hohe Anforderungen an verfügbare Abfangsysteme und Munition.
Deutschland hatte bei einem jüngsten Besuch von Bundeskanzler Friedrich Merz in Kyjiw weitere Unterstützung zugesagt, darunter militärische Hilfe und Mittel für die Energieinfrastruktur. Die aktuelle Angriffswelle zeigt, warum beides zusammengehört: Schutz vor Angriffen und Reparatur zerstörter Netze sind zwei Seiten derselben Strategie, die ukrainische Gesellschaft durch den Winter zu bringen.
Keine Symmetrie der Verantwortung
Auch die Ukraine greift Ziele in Russland an, zuletzt zunehmend Energie- und digitale Infrastruktur. Solche Angriffe sind ebenfalls am humanitären Völkerrecht zu messen. Der grundlegende Kontext bleibt jedoch: Russland hat den großangelegten Krieg gegen die Ukraine begonnen und führt ihn auf ukrainischem Staatsgebiet. Das Selbstverteidigungsrecht der Ukraine nach Artikel 51 der UN-Charta besteht fort.
Was offen ist
Für Kramatorsk sind unabhängige Untersuchungen zum genauen Ziel und zur eingesetzten Munition abzuwarten. KIVOZ wird Opferzahlen und Bewertung aktualisieren, wenn belastbare neue Informationen vorliegen. Bereits jetzt steht fest: Die Intensität der russischen Luftkampagne hat erneut zugenommen, und die zivile Bevölkerung trägt einen erheblichen Teil der Folgen.
Quellen
- Reuters: Zelenskiy accuses US of inaction as Russian strikes kill over 70 in two days
- AP: Merz announces new aid for Ukraine in Kyiv
- UN Charter, Article 51
Redaktioneller Hinweis: Laufende Lage; Opferzahlen und Details können sich ändern. Stand 09.10.2026, 08:00 MESZ.