Auf X nennt er sich „Bösartiger Fella“, auf YouTube „Segi
Fella“. Hinter den Namen steht ein Aktivist, der nicht mit großen
Schecks oder einer eigenen Hilfsorganisation arbeitet, sondern mit
etwas, das im digitalen Krieg leicht unterschätzt wird: Aufmerksamkeit.
Er produziert Videos, führt Gespräche mit ukrainischen Soldaten und
Freiwilligen, gestaltet Kampagnenmaterial und hält kleine
Spendenaktionen sichtbar. Nach öffentlich zugänglichen Eigenangaben
liegt der persönliche Ursprung dieses Engagements in einer Kindheit, die
selbst von Flucht vor einem Krieg auf dem Balkan geprägt war. Sein
Beispiel zeigt, wie aus einem anonymen Social-Media-Account eine kleine
Medienplattform werden kann – und warum Nähe, Vertrauen und Transparenz
dabei ebenso wichtig sind wie Reichweite.
Der Satz wirkt beinahe beiläufig: „Back from vacation and back to
boosting.“ Zurück aus dem Urlaub, zurück beim Verstärken.
Darunter stehen drei offene Sammlungen. Gesucht werden unter anderem
ein Fahrzeug, eine mobile Stromversorgung, ein Laptop, ein 3D-Drucker
und Ausrüstung für ukrainische Einheiten. Es ist kein pathetischer
Aufruf, keine große Kampagne mit prominenten Botschaftern. Eher eine
kurze Meldung aus einem digitalen Arbeitsalltag: wieder da, weiter geht
es.
Der Account hinter dem Beitrag heißt auf X „Bösartiger
Fella“ und ist unter @20gimsack zu finden. Auf
YouTube tritt derselbe Aktivist als „Segi Fella“ auf.
Dort führt er Interviews, stellt ukrainische Freiwillige und
militärische Einheiten vor, erklärt einzelne Spendenziele und
veröffentlicht Videos über Desinformation, ukrainische Geschichte und
Solidaritätsaktionen.
Er ist weder klassischer Auslandskorrespondent noch Sprecher einer
Behörde. Er ist Teil von NAFO – jener losen, internationalen
Onlinebewegung, deren Mitglieder sich meist durch verfremdete
Shiba-Inu-Avatare erkennen lassen. Was 2022 mit Memes gegen russische
Propaganda und Spenden für die Ukraine begann, ist längst zu einem
Netzwerk aus Informationsarbeit, Crowdfunding und direkten Kontakten zu
ukrainischen Helfern und Einheiten geworden.
Segi Fella gehört zu den Menschen, die dieses Netzwerk im Alltag am
Laufen halten.
Eine
Biografie, die nur in Umrissen öffentlich ist
Wer genau hinter dem Pseudonym steht, soll hier nicht offengelegt
werden. Der Aktivist tritt öffentlich mit seinem Gesicht auf und
produziert Videos, nutzt für seine politische Arbeit jedoch bewusst
einen Künstler- beziehungsweise Netzwerknamen. Für die Bewertung seines
Engagements sind sein bürgerlicher Name, seine Adresse oder sein
Arbeitgeber nicht erforderlich.
Über seine Biografie ist deshalb nur das zu berichten, was er selbst
beziehungsweise das mit ihm arbeitende Projekt Toonie
Tuesday öffentlich gemacht haben.
Auf der Partnerseite von Toonie Tuesday wird Segi Fella als jemand
beschrieben, der als Kind vor einem Krieg auf dem Balkan fliehen musste.
Diese Erfahrung habe ihm früh vermittelt, was Krieg, Vertreibung und der
Verlust von Sicherheit für Menschen bedeuten. Einen Punkt stellte er
nach Erstellung des ersten Entwurfs gegenüber KIVOZ genauer dar:
Russlands Kriege und russische Kriegsführung verfolge er bereits seit
1999. Als der Krieg gegen die Ukraine 2014 begann, habe er das Vorgehen
Russlands schon seit Jahren täglich beobachtet. Nach dem russischen
Großangriff 2022 sei er auf NAFO gestoßen und habe sich der Bewegung
angeschlossen.
Diese Angaben stammen aus dem Umfeld des Porträtierten. KIVOZ konnte
die persönlichen Stationen nicht anhand unabhängiger Dokumente
überprüfen und nennt deshalb weder ein konkretes Herkunftsland noch
weitere biografische Details. Als Selbstauskunft erklären sie jedoch,
weshalb Segi Fella in seinen Videos auffällig oft versucht, hinter
militärischen Abkürzungen und Materiallisten einzelne Menschen sichtbar
zu machen.
Der Krieg erscheint bei ihm nicht nur als Frontlinie auf einer Karte.
Er erscheint als Gespräch mit einer Drohnenpilotin, als Bericht eines
Sanitäters, als Bitte um ein Fahrzeug oder als Frage, wie Freiwillige
medizinische Güter schneller an ihren Bestimmungsort bringen können.
Der Fella mit dem Mikrofon
Der YouTube-Kanal Segi Fella wurde Ende 2025 zu
einem eigenen Projekt ausgebaut. Am 2. Oktober 2026 zeigte die Plattform
rund 1.090 Abonnenten und etwa 160 veröffentlichte Videos. Für YouTube
ist das kein Massenpublikum. Für ein hoch spezialisiertes,
englischsprachiges Angebot über ukrainische Einheiten, Freiwillige und
Spendenkampagnen ist es dennoch eine beachtliche kontinuierliche
Produktion.
Der Kanal besteht im Kern aus mehreren Formaten.
In „This Week’s Toonie“ stellt Segi Fella die
jeweilige Sammlung von Toonie Tuesday vor. Dabei werden nicht nur die
benötigten Gegenstände aufgezählt. Wenn es die Sicherheitslage erlaubt,
kommen Menschen aus den unterstützten Einheiten oder aus dem
freiwilligen Netzwerk selbst zu Wort. Zu den bisherigen Themen gehörten
etwa faseroptisch gesteuerte FPV-Drohnen bei der 80. Luftsturmbrigade,
die Arbeit eines Zugführers im ukrainischen „Star Battalion“, ein
Kampfmediziner der Timur-Gruppe und eine mobile Stabilisierungsstelle
für Verwundete.
Die Reihe „RealTalk“ ist breiter angelegt. Zu den
Gesprächspartnern zählten eine ukrainische Drohnenpilotin, der
Freiwillige und Gründer von Dzyga’s Paw Dimko Zhlutenko, Unterstützer
des 3D-Druck-Netzwerks DrukArmy, eine Organisation für Rettungshunde und
ein ausländischer Freiwilliger, der in der Ukraine kämpfte. Andere
Folgen beschäftigen sich mit Russifizierung, Geschichte oder der Frage,
wie humanitäre Lieferketten funktionieren.
Daneben veröffentlicht der Kanal kurze Erklärvideos, Musik- und
Memeformate sowie Aufnahmen von Solidaritätsveranstaltungen – darunter
ein Rückblick auf eine Ukraine-Kundgebung in Zürich. Diese Mischung ist
typisch für NAFO: Ernst und Ironie, persönliche Zeugnisse und
Internetkultur, politische Aufklärung und Spendensammlung stehen
nebeneinander.
Gerade darin liegt Segi Fellas besondere Rolle. Er versucht nicht,
eine Nachrichtenredaktion zu imitieren. Er baut eine Verbindung zwischen
Menschen auf, die Material benötigen, und einem internationalen
Publikum, das helfen könnte, aber von der Zahl der täglichen Aufrufe
längst überfordert ist.
Was „Boosting“ praktisch
bedeutet
In sozialen Netzwerken wird Unterstützung oft an Geldbeträgen
gemessen. Doch die Arbeit von Accounts wie @20gimsack beginnt häufig
vorher.
Sie erstellen Grafiken, schneiden Videos, übersetzen oder verdichten
Informationen, erinnern an noch offene Sammlungen und sorgen dafür, dass
ein Beitrag nicht nach wenigen Stunden aus den Timelines verschwindet.
Sie antworten, teilen, markieren andere Unterstützer und erklären,
weshalb gerade ein unscheinbarer Gegenstand dringend gebraucht wird.
Ein Geländewagen ist im Krieg kein Statussymbol. Er kann Personal,
medizinisches Material, Drohnenteile oder Verwundete transportieren.
Eine mobile Powerstation hält Kommunikation, Computer oder medizinische
Geräte bei Stromausfällen in Betrieb. Ein 3D-Drucker kann Ersatzteile,
Halterungen oder Komponenten in der Nähe ihres Einsatzortes herstellen.
Ein Laptop ist möglicherweise Teil der Lageauswertung, der Drohnenarbeit
oder schlicht der Verwaltung einer Einheit.
Die drei Sammlungen aus dem von KIVOZ ausgewerteten X-Beitrag zeigen
diese Bandbreite. Eine richtete sich an einen nur als „Somebody“
bezeichneten Spezialverband und nannte unter anderem Netze
beziehungsweise Netzwerfer, einen Laptop, eine mobile Stromversorgung,
Tauchausrüstung und einen Transporter. Eine zweite galt einem
Angehörigen der 164. funktechnischen Brigade und umfasste einen
3D-Drucker, ein mobiles Energiesystem, einen Laptop sowie
Fahrzeugbeschaffung und Reparaturen. Die dritte warb für einen Lastwagen
für ein Flugabwehrbataillon der 39. Flugabwehrraketenbrigade.
Dass bei der ersten Sammlung nicht mehr über die Einheit genannt
wird, ist kein journalistischer Schönheitsfehler, sondern Ausdruck
militärischer Sicherheit. Es ist zugleich ein Beispiel für das
Grundproblem solcher Kampagnen: Unterstützer sollen Vertrauen
aufbringen, obwohl operative Details aus guten Gründen fehlen.
Segi Fellas Aufgabe ist in diesem Gefüge weniger die Verwaltung des
Geldes als die Vermittlung. Er macht aus einem Link eine Geschichte und
aus einer Materialliste ein nachvollziehbares Anliegen.
Zwei Dollar gegen die
Erschöpfung
Das Projekt Toonie Tuesday entstand auf Twitter, dem
heutigen X. Ein „Toonie“ ist die kanadische Zwei-Dollar-Münze. Die Idee
ist bewusst niedrigschwellig: Viele Menschen sollen an einem Dienstag
einen kleinen Betrag geben und den Aufruf anschließend weiterverbreiten.
Zwei Dollar überfordern kaum jemanden; in einer großen Community können
viele kleine Beiträge dennoch eine Sammlung schließen.
Auf seiner Website beschreibt das Team ein Problem, das fast jeder
regelmäßige Ukraine-Unterstützer kennt: „Fundraiser Fatigue“. Jeden Tag
erscheinen neue Bitten um Drohnen, Fahrzeuge, Generatoren,
Schutzmaterial, medizinische Ausrüstung oder Reparaturen. Wer helfen
möchte, weiß häufig nicht mehr, welche Kampagne seriös ist, wohin das
Geld fließt und ob ein kleiner Beitrag überhaupt etwas verändert.
Toonie Tuesday will diese Auswahl reduzieren. Nach eigenen Angaben
präsentiert das Team jeweils eine geprüfte Sammlung, bei der Mitglieder
zumindest einen Teil der beteiligten Personen kennen. Auf der Website
werden frühere Kampagnen nach Zeiträumen archiviert. Als Partner nennt
das Projekt unter anderem die offizielle ukrainische Spendenplattform
UNITED24, Dzyga’s Paw, die Liberty Ukraine Foundation, AZOV.ONE,
ukrainische Freiwilligennetzwerke und die Drohneninitiative Wild
Hornets.
Der auf der Startseite angezeigte Zähler stand am 2. Oktober 2026 bei
1.255.259 „total funds raised“. Direkt am Zähler wird
keine Währung ausgewiesen. Die Zahl ist eine Eigenangabe des Projekts
und darf nicht als unabhängig auditierte Bilanz oder gar als von Segi
Fella persönlich eingeworbene Summe verstanden werden.
Toonie Tuesday beschreibt seinen Beitrag vielmehr als kreative
Arbeit: Er habe seit den frühen Tagen des Projekts Grafiken, Memes,
Videos und Werbematerial erstellt und mit seinem YouTube-Angebot
Interviews und Hintergrundgeschichten ergänzt. Der Effekt lässt sich
nicht auf einen persönlichen Spendenbetrag herunterbrechen. Seine
Leistung besteht darin, Kampagnen wiederholt vor ein Publikum zu bringen
und Vertrauen durch Gespräch und Kontinuität aufzubauen.
NAFO: vom Meme zur
materiellen Hilfe
Um diese Arbeit zu verstehen, muss man NAFO ernst nehmen, ohne den
Humor der Bewegung zu überhöhen.
Die North Atlantic Fella Organization entstand im
Frühjahr 2022 als dezentrale Gemeinschaft pro-ukrainischer Accounts.
Mitglieder nutzten Shiba-Inu-Avatare, Ironie und massenhafte Antworten,
um russische Staatspropaganda, Diplomaten und reichweitenstarke
Desinformationskonten zu stören. Der scherzhafte Name lehnt sich an die
NATO an; eine Mitgliedsliste oder zentrale Befehlsstruktur gibt es
nicht.
Schon die Gründung war eng mit Spenden verbunden. NAFO-Mitbegründer
Matt Moores berichtete 2022 bei einer Veranstaltung des US-Thinktanks
CSIS, die Bewegung sei aus einer Fundraisingaktion hervorgegangen.
Später entwickelten einzelne Gruppen eigene Kampagnen für Fahrzeuge,
Drohnen, medizinische Ausrüstung und andere Güter.
Das Magazin Wired dokumentierte 2024, wie Teile des
Netzwerks Millionenbeträge sammelten und Hunderte Fahrzeuge sowie große
Mengen Drohnen und Ausrüstung in die Ukraine brachten. Einige Kampagnen
liefen in Zusammenarbeit mit UNITED24, andere über kleinere
Organisationen oder direkte Kontakte zu Einheiten.
Die Stärke dieser Struktur ist ihre Geschwindigkeit. Ihre Schwäche
ist dieselbe Dezentralität: Unter dem Begriff NAFO treten sehr
unterschiedliche Menschen und Projekte auf. Es gibt keine zentrale
Stelle, die jede Aussage, jede Sammlung oder jedes Verhalten verbindlich
kontrolliert.
Deshalb ist ein Fella-Avatar allein kein Gütesiegel.
Nähe ist
seine Stärke – und die Grenze seines Formats
Segi Fellas Videos leben von Nähe. Gäste berichten aus ihrem Alltag,
erklären ihre Arbeit und können konkrete Bedürfnisse an ein Publikum
richten, das ihnen grundsätzlich wohlgesinnt ist. Für Soldaten und
Freiwillige bietet das eine Bühne, die sie in großen Medien selten
erhalten.
Diese Nähe schafft aber keine unabhängige journalistische
Prüfung.
„This Week’s Toonie“ ist Teil einer Spendeninitiative.
Gesprächspartner werden in der Regel vorgestellt, weil ihre Einheit oder
Organisation Unterstützung benötigt. Segi Fella ist Unterstützer und
Vermittler, nicht neutraler Beobachter. Seine Videos sollten deshalb als
Aktivismus, Interview und Kampagnenkommunikation
verstanden werden – nicht automatisch als unabhängig verifizierte
Berichterstattung.
Das ist kein Vorwurf. Es ist eine notwendige Einordnung.
Auch authentische Gesprächspartner können sich irren. Einheiten geben
aus Sicherheitsgründen nur einen Teil ihrer Informationen preis. Zahlen
zu Erfolgen, Verlusten oder Wirkungen sind im Krieg oft nicht
unmittelbar überprüfbar. Und die emotionale Bindung zwischen
Interviewer, Gast und Publikum kann kritische Nachfragen erschweren.
Wer über solche Kampagnen berichtet oder spendet, sollte deshalb
mehrere Ebenen unterscheiden:
- Ist die Identität der sammelnden Person oder Organisation
nachvollziehbar? - Ist das konkrete Ziel klar benannt, soweit die operative Sicherheit
das erlaubt? - Gibt es später Belege für Beschaffung oder Übergabe?
- Läuft die Zahlung über ein etabliertes Konto oder eine
nachvollziehbare Plattform? - Werden Eigenangaben über militärische Wirkungen als solche
gekennzeichnet?
Toonie Tuesday versucht einen Teil dieser Fragen durch persönliche
Kontakte, Vorauswahl und ein öffentliches Kampagnenarchiv zu
beantworten. KIVOZ konnte jedoch nicht jede einzelne Zahlung,
Beschaffung und Übergabe unabhängig prüfen. Diese Grenze gehört zu einem
seriösen Porträt ebenso wie die Anerkennung der sichtbaren Arbeit.
Warum kleine Kanäle
wichtig sein können
Gemessen an großen Nachrichten- oder Unterhaltungskanälen ist Segi
Fella klein. Gerade das kann im digitalen Unterstützungsnetzwerk ein
Vorteil sein.
Ein spezialisiertes Publikum weiß, weshalb es den Kanal abonniert
hat. Gäste werden nicht nur zu einem kurzen Zitat verdichtet. Eine
mobile Stabilisierungsstelle kann ausführlich erklärt werden. Ein
Freiwilliger kann schildern, warum ein Fahrzeug ausfällt, ohne dass die
Geschichte mit dem nächsten Nachrichtenzyklus verschwindet.
Auch die Beziehung zum Publikum ist direkter. Wer ein Video über
einen Sanitäter oder eine Drohnenpilotin gesehen hat, begegnet dem
nächsten Spendenaufruf nicht mehr als anonymer Materialliste. Aus „eine
Einheit braucht Hilfe“ wird die Erinnerung an einen konkreten Menschen
und seine Arbeit.
Das kann mobilisieren. Es birgt zugleich die Gefahr, dass Vertrauen
in eine Person die Prüfung einer Kampagne ersetzt. Verantwortungsvolle
Community-Arbeit muss deshalb beides leisten: Nähe herstellen und
nachvollziehbare Belege liefern.
Segi Fellas bisherige Entwicklung zeigt den Versuch, diese Nähe nicht
nur über dramatische Bilder zu erzeugen. Sein Kanal enthält lange
Interviews, Erklärstücke, kurze Kampagnenvideos und Kulturformate. Nicht
jedes Video erreicht Tausende Menschen. Aber die Regelmäßigkeit
verwandelt punktuelle Empörung in eine dauerhafte Öffentlichkeit.
Ein Aktivist
zwischen zwei Informationswelten
In seinem öffentlichen Auftreten verbindet Segi Fella zwei
Erfahrungen, die sonst oft getrennt behandelt werden.
Da ist zum einen die persönliche Erinnerung daran, dass Krieg nicht
abstrakt bleibt. Wer nach eigener Darstellung als Kind fliehen musste,
weiß, dass Vertreibung Familiengeschichten über Jahrzehnte prägen
kann.
Da ist zum anderen die Logik heutiger Plattformen. Aufmerksamkeit ist
kurz, Algorithmen bevorzugen Reaktion und Konflikt, und ein sachlicher
Aufruf für eine Fahrzeugreparatur konkurriert mit Unterhaltung, Empörung
und Desinformation. Wer in dieser Umgebung helfen will, muss nicht nur
recht haben. Er muss sichtbar bleiben.
Der Name „Bösartiger Fella“ spielt mit der aggressiven Sprache
sozialer Netzwerke. Die praktische Tätigkeit dahinter ist meist
unspektakulärer: Beiträge teilen, Interviews vorbereiten, Videos
schneiden, offene Sammlungen erneut zeigen, Quellen und Kontakte
pflegen.
Das ist keine Fronttätigkeit und sollte nicht mit ihr gleichgesetzt
werden. Es ist zivile Unterstützungsarbeit aus sicherer Entfernung. Ihr
Wert liegt gerade darin, diese Entfernung nicht zu leugnen, sondern sie
mit verlässlichen Verbindungen zu überbrücken.
Zurück aus dem
Urlaub, zurück beim Verstärken
Am Ende führt das Porträt zurück zu dem kurzen X-Beitrag.
Ein Mann kommt aus dem Urlaub und öffnet wieder seine digitalen
Kanäle. Drei Sammlungen sind noch nicht abgeschlossen. Also teilt er sie
erneut.
In einer Zeit, in der der russische Angriffskrieg seit Jahren
andauert und die internationale Aufmerksamkeit immer wieder zu anderen
Krisen wandert, besteht Solidarität häufig nicht aus einer einzigen
großen Geste. Sie besteht aus Wiederholung.
Noch ein Gespräch. Noch ein Video. Noch ein Hinweis. Noch einmal
erklären, weshalb eine mobile Stromversorgung, ein Transporter oder ein
3D-Drucker gebraucht wird.
Segi Fella ist nicht „NAFO“ als Ganzes. Er ist auch kein unabhängiges
Nachrichtenmedium und keine staatliche Hilfsorganisation. Er ist ein
einzelner Aktivist in einem dezentralen Netzwerk – mit den Stärken und
Grenzen, die daraus folgen.
Aber sein Beispiel macht sichtbar, was zwischen einem Spendenbedarf
in der Ukraine und einem möglichen Unterstützer irgendwo in Europa oder
Nordamerika liegt: Jemand muss zuhören, nachfragen, übersetzen,
gestalten und die Geschichte weitertragen.
Genau das meint in seinem Fall „boosting“.
Transparenzhinweis
KIVOZ hat für dieses Porträt überwiegend öffentlich zugängliche
Inhalte ausgewertet. Persönliche Angaben zur Fluchtgeschichte und
Motivation stammen aus der Partnerdarstellung von Toonie Tuesday und
sind als Eigenangaben gekennzeichnet. Die Präzisierung, dass Segi Fella
Russlands Kriege und Kriegsführung bereits seit 1999 verfolgt,
übermittelte er KIVOZ am 2. Oktober 2026 direkt; ein Screenshot der
schriftlichen Rückmeldung liegt der Redaktion vor. Die zivile Identität
hinter dem Pseudonym wird nicht offengelegt. Zahlen und Wirkungsangaben
von Toonie Tuesday sind Selbstauskünfte; eine vollständige unabhängige
Prüfung aller einzelnen Sammlungen, Zahlungen und Übergaben war nicht
möglich. Der bereitgestellte X-Screenshot wurde zur Identifizierung des
Accounts und der dort beworbenen Sammlungen ausgewertet, aber wegen
ungeklärter Bildrechte nicht als Titelbild übernommen.
Quellen und weiterführende
Links
- Segi Fella auf
YouTube - Bösartiger Fella (@20gimsack) auf
X - Toonie
Tuesday: Partnerprofil von Segi Fella - Toonie Tuesday:
Selbstbeschreibung, Arbeitsweise und Gesamtsumme - Toonie
Tuesday: Kampagnen September bis Dezember 2026 - YouTube: 3D
Printing Support for Ukraine – RealTalk 11 - YouTube:
RealTalk mit Dimko Zhlutenko - YouTube:
Interview mit einer ukrainischen Drohnenpilotin - YouTube:
Inside Ukraine’s Drone War – Star Battalion - YouTube:
Kundgebung für die Ukraine in Zürich - CSIS:
NAFO and Winning the Information War - Wired: The
Shitposting Cartoon Dogs Sending Trucks, Drones, and Weapons to
Ukraine’s Front Lines - UNITED24: offizielle ukrainische
Spendenplattform
Quellen
- Segi Fella – YouTube-Kanal
- Bösartiger Fella (@20gimsack) – X-Profil
- Toonie Tuesday – Partnerprofil von Segi Fella
- Toonie Tuesday – Selbstbeschreibung und Arbeitsweise
- Toonie Tuesday – Kampagnen September bis Dezember 2026
- YouTube – 3D Printing Support for Ukraine, RealTalk 11
- YouTube – RealTalk mit Dimko Zhlutenko
- YouTube – Interview mit einer ukrainischen Drohnenpilotin
- YouTube – Inside Ukraine’s Drone War, Star Battalion
- YouTube – Kundgebung für die Ukraine in Zürich
- CSIS – NAFO and Winning the Information War
- Wired – NAFO sends trucks, drones and equipment to Ukraine
- UNITED24 – offizielle ukrainische Spendenplattform
Redaktioneller Hinweis: Recherchestand und Korrektur: 02.10.2026. Der X-Account @20gimsack und der YouTube-Kanal @SegiFella lassen sich über die offizielle Partnerseite von Toonie Tuesday derselben öffentlichen Aktivistenidentität zuordnen. Biografische Angaben zur Flucht als Kind aus einem Krieg auf dem Balkan stammen aus der Selbstdarstellung des Partnerprojekts und konnten nicht unabhängig dokumentarisch geprüft werden. Segi Fella präzisierte gegenüber KIVOZ am 02.10.2026 schriftlich, dass er Russlands Kriege und Kriegsführung bereits seit 1999 verfolgt und das Vorgehen Russlands schon vor Beginn des Krieges gegen die Ukraine 2014 täglich beobachtete; ein Screenshot dieser direkten Rückmeldung liegt der Redaktion vor. Der auf der Toonie-Tuesday-Startseite angezeigte Gesamtwert von 1.255.259 ist eine Eigenangabe; am Zähler wird keine Währung genannt. Eine vollständige unabhängige Prüfung sämtlicher Spenden, Beschaffungen und Übergaben war nicht möglich. Die zivile Identität hinter dem Pseudonym wird nicht offengelegt.
