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Mediencheck: Ist die Matrjoschka-Kampagne vor den Landtagswahlen nachweislich vom Kreml gesteuert?

Gefälschte Videos vor deutschen Landtagswahlen sind real. Doch wie sicher ist die häufige Zuschreibung der konkreten Matrjoschka-Kampagne an Russland? Die Bundesregierung formuliert vorsichtiger als manche Schlagzeile.

Aktualisierung/Korrektur: Recherche- und Aktualisierungsstand: 20.08.2026. Das Urteil bezieht sich auf die öffentlich zugängliche Attribution der konkreten Matrjoschka-Kampagne; neue Behördeninformationen können die Bewertung verändern.

Ausgangsbehauptung: Die vor den deutschen Landtagswahlen verbreitete Desinformationskampagne „Matrjoschka“ werde nachweislich aus Russland beziehungsweise vom Kreml gesteuert.

Urteil: im konkreten Fall bislang unbelegt; der breitere Kontext russischer Einflussoperationen ist dagegen gut belegt.

Diese Unterscheidung ist wichtig, weil Desinformation nicht dadurch bekämpft wird, dass man bei der Zuschreibung selbst ungenau arbeitet.

Was nachweisbar ist

Vor den Landtagswahlen kursieren manipulierte Videos und erfundene Vorwürfe gegen Kandidaten. Teilweise werden Logos etablierter Medien missbraucht, um den Fälschungen Glaubwürdigkeit zu geben. Recherchen von DW und ARD dokumentieren zahlreiche Beispiele. Die Kampagne folgt Mustern, die Forscher und Faktenchecker mit früheren russischen Einflussoperationen in Verbindung bringen.

Das Bundesinnenministerium bezeichnete Matrjoschka am 5. August ausdrücklich als ernstzunehmende Desinformationskampagne. Es fügte jedoch zwei Einschränkungen hinzu: Die gemessene Reichweite sei bislang relativ gering, und für die konkrete Kampagne könne die Bundesregierung nicht eindeutig sagen, dass sie aus Russland gesteuert werde.

Was die Bundesregierung zu Russland sagt

Das Auswärtige Amt betonte in derselben Pressekonferenz, Russland versuche generell fortlaufend, Deutschland mit hybriden Maßnahmen zu beeinflussen und Vertrauen in demokratische Institutionen zu untergraben. Das ist eine weiter gefasste Attribution. Sie ist nicht identisch mit dem Nachweis, dass jeder einzelne Matrjoschka-Account oder jedes konkrete Fake-Video direkt von einer russischen staatlichen Stelle beauftragt wurde.

Warum Attribution schwierig ist

Digitale Einflussoperationen arbeiten gerade mit Distanz. Accounts können automatisiert, gekauft oder von Mittelsmännern betrieben werden. Inhalte wandern zwischen Plattformen und werden von echten Nutzern weiterverbreitet. Technische Indizien, Sprachmuster, Veröffentlichungszeiten und Verbindungen zu bekannten Netzwerken können eine Attribution stark machen, ersetzen aber nicht automatisch einen öffentlich überprüfbaren Beweis staatlicher Steuerung.

Warum manche Überschriften zu weit gehen

Die Formulierung „russische Desinformation“ kann zwei Dinge bedeuten: Desinformation, die russische Interessen fördert, oder eine Operation, deren Urheber russische staatliche Akteure sind. Das ist nicht dasselbe. Seriöse Berichterstattung sollte sagen, auf welcher Ebene die Zuschreibung erfolgt – durch Sicherheitsbehörden, Forscher, Plattformdaten oder offene Belege.

Umgekehrt wäre es ebenso falsch, aus der vorsichtigen Regierungsformulierung zu schließen, es gebe keine russischen Einflussoperationen. Dafür existiert umfangreiche Evidenz aus Deutschland und anderen europäischen Staaten.

Fazit

Die konkreten Fälschungen sind real und überprüfbar. Die Bundesregierung nimmt Matrjoschka ernst. Eine eindeutige staatliche russische Steuerung gerade dieser Kampagne hat sie öffentlich bislang aber nicht bestätigt. Medien sollten diese Evidenzstufen kenntlich machen. Das schwächt die Warnung vor Desinformation nicht – es macht sie belastbarer.