Zum Inhalt springen
KIVOZ · Nachrichten auf Faktenbasis
Aktuell
Faktencheck Faktencheck

BILD: „Heizgesetz abgeschafft“ – was tatsächlich abgeschafft wurde und was ab 2045 weiter gilt

BILD meldete im Februar, Schwarz-Rot schaffe Habecks Heizgesetz ab und die 100-Prozent-Vorgabe für klimaneutrale Brennstoffe ab 2045 entfalle. Die 65-Prozent-Regel wurde tatsächlich gestrichen – die 2045-Aussage entspricht aber nicht dem schließlich beschlossenen Gesetz.

Aktualisierung/Korrektur: Stand der Prüfung: 11.08.2026. Der Mediencheck vergleicht die BILD-Meldung zu politischen Eckpunkten vom Februar mit der seit 29.07.2026 geltenden finalen Rechtslage.
Außeneinheit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe.

Mediencheck: Ende Februar 2026 verbreitete sich auf BILD und anschließend stark in sozialen Netzwerken die Schlagzeile: „Regierung schafft Habecks Heizgesetz ab!“ Auch auf X wurde darüber diskutiert, ob diese Formulierung die tatsächliche Veränderung korrekt beschreibt.

Heute lässt sich die damalige Meldung ungewöhnlich gut prüfen, denn seit Ende Juli liegt nicht mehr nur ein politisches Eckpunktepapier vor, sondern das verabschiedete und in Kraft getretene Gebäudemodernisierungsgesetz. Das Ergebnis fällt gemischt aus: BILD lag beim Ende der zentralen 65-Prozent-Regel richtig. Eine konkrete Aussage über das Jahr 2045 hat sich dagegen nicht bestätigt.

Was BILD am 25. Februar meldete

Ausgangspunkt war eine Einigung der Fraktionschefs von Union und SPD auf Eckpunkte. BILD schrieb, die 65-Prozent-Vorgabe für neue Heizungen werde abgeschafft. Öl- und Gasheizungen könnten weiterbetrieben werden, sogar über 2045 hinaus.

Der Artikel ging noch einen Schritt weiter. In einer Aufzählung hieß es ausdrücklich, die Regel, wonach Heizungen ab 2045 zu 100 Prozent mit erneuerbarer beziehungsweise klimaneutraler Energie oder entsprechenden Brennstoffen betrieben werden müssten, entfalle. Gleichzeitig wies BILD darauf hin, dass aus den Eckpunkten erst noch ein Gesetz formuliert und vom Bundestag beschlossen werden müsse.

Was tatsächlich Gesetz geworden ist

Am 29. Juli 2026 trat das neue Gebäudemodernisierungsgesetz in seinen wesentlichen Teilen in Kraft. Die Bundesregierung beschreibt selbst, dass es das alte Gebäudeenergiegesetz ersetzt und die bisherige einheitliche Vorgabe von mindestens 65 Prozent erneuerbarer Energie bei der Wärmeversorgung gestrichen wurde.

In diesem zentralen Punkt hat die BILD-Schlagzeile die politische Richtung also korrekt vorweggenommen: Die 65-Prozent-Regel ist weggefallen. Eigentümer können auch künftig neue Gas- und Ölheizungen einbauen.

Aber: 2045 bleibt eine harte Grenze für die Brennstoffe

Genau hier unterscheidet sich das finale Gesetz von der Februar-Darstellung. Die Bundesregierung schreibt zur neuen Rechtslage ausdrücklich: Brennstoffe für Heizungen müssen ab 2045 vollständig klimaneutral sein.

Das bedeutet eine wichtige Unterscheidung zwischen Heiztechnik und Brennstoff. Eine Gas- oder Ölheizung kann als technische Anlage auch nach 2045 weiter existieren. Sie darf dann aber nach der aktuellen Rechtslage nicht einfach dauerhaft mit fossilem Erdgas oder fossilem Heizöl betrieben werden. Für die Brennstoffe gilt die Klimaneutralitätsvorgabe.

Vor 2045 sind zudem stufenweise Vorgaben vorgesehen. Für Gas und Öl sollen bereits vorher verbindliche Anteile klimafreundlicher Brennstoffe gelten. Die Bundesregierung nennt unter anderem eine Biotreppe ab 2029 und eine Grüngasquote, deren Details gesondert geregelt werden sollen.

War BILD im Februar deshalb „falsch“?

Eine faire Bewertung muss den Zeitpunkt berücksichtigen. BILD berichtete damals über politische Eckpunkte, nicht über ein fertiges Gesetz. Die Redaktion schrieb selbst, dass Kabinett und Bundestag noch folgen müssten. Gesetzgebungsverfahren können Inhalte verändern – und genau das geschah bei der 2045-Regel.

Deshalb wäre es zu grob zu behaupten, BILD habe im Februar eine damals bereits feststehende Rechtslage falsch wiedergegeben. Treffender ist: Die Überschrift und mehrere Formulierungen präsentierten eine politische Einigung sehr endgültig, obwohl wesentliche Details noch nicht beschlossen waren. Wer den Artikel heute ohne diesen Zeitkontext liest, erhält bei der 2045-Frage einen falschen Eindruck der geltenden Rechtslage.

Warum die Formulierung „Heizgesetz abgeschafft“ zugleich richtig und irreführend sein kann

Politisch wurde ein zentrales Element der Habeck-Reform gestrichen, und das alte Gesetz wurde durch ein neues ersetzt. In diesem Sinn ist „abgeschafft“ keine frei erfundene Behauptung.

Gleichzeitig verschwindet mit dem neuen Gesetz nicht jede Vorgabe für klimafreundliches Heizen. Klimaneutralität 2045 bleibt Ziel und rechtliche Leitplanke. Auch die neue Regelung enthält Brennstoffquoten, Mieterschutz, Förderregeln und Evaluationsmechanismen. Wer aus der Schlagzeile „Heizgesetz abgeschafft“ ableitet, künftig gebe es keinerlei klimapolitische Anforderungen mehr an Öl- und Gasheizungen, liegt falsch.

X war ein guter Hinweisgeber – aber kein Beleg

Auf X wurde die BILD-Schlagzeile schon im Februar kritisch diskutiert. Ein Beitrag des Energieexperten Christoph Maurer etwa argumentierte, die Politik könne mehr Technikfreiheit gewähren und dennoch an klimaneutralem Heizen festhalten. Solche Posts sind für eine Redaktion nützlich, weil sie auf prüfenswerte Widersprüche aufmerksam machen.

Für das Urteil dieses Medienchecks ist der X-Post aber nicht entscheidend. Entscheidend sind der ursprüngliche BILD-Artikel und die später veröffentlichte endgültige Rechtslage der Bundesregierung.

KIVOZ-Urteil

Teilweise bestätigt, teilweise überholt beziehungsweise nicht eingetreten. BILD lag richtig damit, dass die Koalition die 65-Prozent-Regel streichen wollte; sie wurde tatsächlich gestrichen. Auch Gas- und Ölheizungen bleiben als Technik zulässig.

Die konkrete Aussage vom Februar, die vollständige Klimaneutralitätsvorgabe für Heizungsbrennstoffe ab 2045 werde entfallen, entspricht jedoch nicht dem am Ende verabschiedeten Gesetz. Nach aktueller Rechtslage müssen die eingesetzten Brennstoffe ab 2045 vollständig klimaneutral sein.

Der Fall zeigt zugleich eine typische Schwäche politischer Schlagzeilen: Eine Verhandlungseinigung wird sprachlich schon zum fertigen Gesetz. Das erhöht die Aufmerksamkeit – verringert aber die Haltbarkeit der Meldung, sobald das Parlament noch Änderungen vornimmt.