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Faktencheck: Sind ukrainische Raffinerieangriffe schuld an den hohen Dieselpreisen?

Donald Trump macht ukrainische Angriffe auf russische Raffinerien für hohe Dieselpreise mitverantwortlich. Der Effekt ist real – als alleinige Erklärung ist die Behauptung aber irreführend.

Urteil: im Kern zutreffend, als alleinige Erklärung irreführend. Stand: 11. Oktober 2026, 08:26 Uhr MESZ.

US-Präsident Donald Trump hat die Ukraine wiederholt aufgefordert, Angriffe auf russische Raffinerien einzustellen, und diese mit den hohen Dieselpreisen in den Vereinigten Staaten und auf dem Weltmarkt verknüpft. Am 10. Oktober verschärfte er seine Kritik an Präsident Wolodymyr Selenskyj im Zusammenhang mit einem US-russischen Dieselabkommen. Die überprüfbare Kernfrage lautet: Haben ukrainische Angriffe das globale Dieselangebot tatsächlich verknappt?

Die Antwort ist ja – aber nur als Teil eines größeren Bildes. Die Internationale Energieagentur IEA dokumentiert erhebliche Schäden im russischen Raffineriesektor. Russland verfügt über rund 6,5 Millionen Barrel tägliche Raffineriekapazität und gehört zu den größten Produzenten raffinierter Ölprodukte. Nach IEA-Angaben sank der Durchsatz im Juni 2026 auf 3,8 Millionen Barrel pro Tag, rund 30 Prozent weniger als ein Jahr zuvor und der niedrigste Stand seit mehr als zwei Jahrzehnten.

Was die ukrainischen Angriffe bewirken

Die IEA schreibt, dass in den ersten acht Monaten 2026 im Durchschnitt etwa alle drei Tage eine russische Raffinerie erfolgreich getroffen wurde. Die russische Dieselproduktion sei gegenüber 2025 um fast 30 Prozent gefallen. Moskau reagierte mit Exportbeschränkungen, um den eigenen Markt zu versorgen. Weniger russischer Diesel auf dem Weltmarkt erhöht den Druck auf Preise – besonders dann, wenn Lagerbestände knapp sind.

Damit ist die Behauptung, die ukrainische Kampagne habe überhaupt keinen Einfluss auf internationale Dieselpreise, nicht haltbar. Russland ist groß genug, dass Produktionsausfälle und Exportverbote weltweit spürbar werden können.

Warum die einfache Schuldzuweisung trotzdem irreführt

Der Dieselmangel hat weitere wesentliche Ursachen. Die IEA verweist auf stark gesunkene Exporte aus dem Nahen Osten. Der Krieg mit Iran und Störungen rund um wichtige Transportwege haben die Versorgung zusätzlich belastet. Reuters beschrieb bereits im Frühjahr, dass der Konflikt im Nahen Osten mehrere Millionen Barrel täglicher Produktversorgung gefährdete und insbesondere den Dieselmarkt traf.

Hinzu kommen westliche Sanktionen gegen Russland, Wartungen und Ausfälle von Raffinerien, niedrige Lagerbestände und regionale Engpässe in den USA. Marktpreise entstehen aus dem Zusammenspiel all dieser Faktoren. Eine präzise Aufteilung, wie viele Cent an der Zapfsäule ausschließlich auf ukrainische Angriffe zurückgehen, lässt sich aus den öffentlich verfügbaren Daten nicht seriös ableiten.

Russlands eigene Entscheidungen spielen ebenfalls eine Rolle

Wichtig ist außerdem die Trennung zwischen beschädigter Produktion und politisch begrenztem Export. Russland hat selbst Ausfuhrbeschränkungen verhängt. Präsident Wladimir Putin erklärte Anfang Oktober, Russland werde Diesel nicht regulär auf Weltmärkte liefern, solange Sanktionen bestünden. Auch diese Entscheidung verknappt das international verfügbare Angebot.

Wer allein auf die Ukraine zeigt, blendet damit aus, dass Russland als angreifender Staat den Krieg begonnen hat, dass Moskau selbst ukrainische Energieinfrastruktur angreift und dass die russische Regierung Exportentscheidungen trifft. Das ändert nichts am messbaren Markteffekt ukrainischer Angriffe, ist aber für die kausale Einordnung wesentlich.

Was ist mit der militärischen Rechtfertigung?

Kyjiw argumentiert, Raffinerien und Treibstofflager unterstützten die russische Kriegsführung und finanzierten den Staat. Ob ein konkretes Objekt ein legitimes militärisches Ziel ist, muss nach dem humanitären Völkerrecht für den jeweiligen Angriff beurteilt werden. Ein wirtschaftlicher Beitrag zum Staat allein macht nicht automatisch jedes zivile Energieobjekt zum militärischen Ziel. Entscheidend sind militärischer Beitrag, erwarteter Vorteil, Vorsichtsmaßnahmen und Verhältnismäßigkeit.

Das Urteil

Im Kern zutreffend, als alleinige Erklärung irreführend. Unabhängige Daten der IEA bestätigen, dass ukrainische Angriffe die russische Raffinerieproduktion erheblich reduziert haben und der Ausfall russischer Dieselvolumina den globalen Markt zusätzlich anspannt. Hohe Dieselpreise allein der Ukraine zuzuschreiben, ist jedoch nicht durch die Daten gedeckt. Nahostkonflikt, Sanktionen, russische Exportbeschränkungen, Lagerbestände und andere Raffinerieausfälle wirken gleichzeitig.

Die präzisere Aussage lautet daher: Ukrainische Angriffe sind ein relevanter Faktor der aktuellen Dieselknappheit – aber nicht deren alleinige Ursache.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Recherche- und Linkprüfung: 11.10.2026, 08:26 Uhr MESZ. Ausgangsbehauptung: öffentliche Aussagen Donald Trumps zu ukrainischen Raffinerieangriffen und Dieselpreisen.