Wer nur die Gesamtsumme betrachtet, sieht eine große Zahl: 21,5 Milliarden Euro netto gaben die Sozialhilfeträger 2025 nach dem SGB XII aus. Das waren 6,1 Prozent mehr als im Vorjahr. Interessanter ist jedoch, wie sich die Ausgaben verschieben. Der am stärksten wachsende große Posten war die Hilfe zur Pflege.
Nach den am 21. August veröffentlichten Destatis-Daten stiegen diese Ausgaben um 13,3 Prozent auf sechs Milliarden Euro. Damit entfielen bereits 27,8 Prozent der gesamten Sozialhilfe auf Pflegehilfen. Der Anteil nahm zum dritten Mal in Folge zu. Die Grundsicherung im Alter und bei Erwerbsminderung blieb mit 11,8 Milliarden Euro zwar der größte Posten, wuchs mit 2,9 Prozent aber deutlich langsamer.
Was „Hilfe zur Pflege“ bedeutet
Die Pflegeversicherung ist eine Teilkaskoversicherung. Reichen ihre Leistungen, eigenes Einkommen und Vermögen nicht aus, um notwendige Pflege zu finanzieren, kann Sozialhilfe einspringen. Steigende Eigenanteile in Pflegeeinrichtungen treffen deshalb nicht nur einzelne Familien, sondern irgendwann auch kommunale Sozialhilfeträger.
Die Zahlen erzählen damit mehr als eine Geschichte über einen angeblich immer größeren Sozialstaat. Sie spiegeln Demografie, Pflegekosten, Löhne in der Pflege und die Konstruktion der Pflegeversicherung. Gerade deshalb ist die häufige Vermischung von Sozialhilfe und Bürgergeld irreführend: Bürgergeld gehört nicht zu den hier ausgewiesenen SGB-XII-Ausgaben.
Eine Verschiebung innerhalb des Sozialstaats
Für Hilfe zum Lebensunterhalt wurden 1,7 Milliarden Euro ausgegeben, 4,4 Prozent mehr als 2024. Weitere rund zwei Milliarden Euro entfielen unter anderem auf Hilfen zur Gesundheit und Hilfen zur Überwindung besonderer sozialer Schwierigkeiten.
Die langfristige politische Frage lautet, wer die wachsenden Pflegekosten tragen soll. Werden Leistungen der Pflegeversicherung nicht entsprechend angepasst, verschiebt sich ein Teil des Risikos zu Pflegebedürftigen, Angehörigen und letztlich zur Sozialhilfe. Eine reine Debatte über „Sozialausgaben“ verdeckt diesen Mechanismus.
Auch Vergleiche über längere Zeiträume brauchen Vorsicht: Seit 2020 wird die Eingliederungshilfe für Menschen mit Behinderungen statistisch separat nach SGB IX erfasst. Die heutige Sozialhilfesumme ist deshalb nicht ohne Weiteres mit allen historischen Gesamtsummen vergleichbar.
Die neue Statistik zeigt dennoch einen klaren Trend: Pflege entwickelt sich innerhalb der Sozialhilfe zu einem immer wichtigeren Kostenblock. Das ist weniger ein kurzfristiges Konjunkturproblem als eine Vorschau auf eine alternde Gesellschaft.
Quellen
Redaktioneller Hinweis: Recherche- und Aktualisierungsstand: 22.08.2026. Die 2025er Detailzahlen wurden am 21.08.2026 veröffentlicht.