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Mediencheck: Hat die AfD den Dexit wirklich aufgegeben?

Ein internes AfD-Papier wird als Abkehr vom Dexit beschrieben. Das ist nur teilweise richtig: Der sofortige Austritt rückt nach hinten, bleibt bei gescheiterten Reformen aber als Option bestehen.

Urteil: verkürzt. Stand: 7. Oktober 2026.

Berichte über ein internes Strategiepapier der AfD erzeugen teils den Eindruck, die Partei habe ihren Kurs zum Austritt Deutschlands aus EU und Euro grundsätzlich aufgegeben. Tatsächlich beschreibt das Papier nach übereinstimmenden Berichten einen strategischen Wechsel – aber keine vollständige Absage an einen möglichen Austritt.

Die Ausgangsbehauptung

Die zugespitzte Behauptung lautet: „Die AfD verabschiedet sich vom Dexit.“ Dafür gibt es einen realen Anlass. Vertreter aus Europaparlament, Bundestag und Landtagen haben Ende September über ein Papier beraten, das nicht mehr den Austritt als ersten Schritt vorsieht. Stattdessen soll die EU zunächst grundlegend umgebaut werden.

Was sich ändert

Nach dem bekannt gewordenen Papier soll die EU stärker zu einem Bund souveräner Nationen werden. Kompetenzen etwa bei Migration, Sozial- und Finanzpolitik sollen zurück zu den Mitgliedstaaten. Auch für den Euro sind weitreichende Änderungen vorgesehen. Erst wenn diese Reformen scheitern, soll die Bevölkerung in einem Referendum über Deutschlands europäischen und währungspolitischen Weg entscheiden. „Reform zuerst“ ersetzt damit „Austritt zuerst“.

Was sich nicht geändert hat

Die Austrittsoption verschwindet jedoch nicht, sondern wird an das Scheitern der geforderten Reformen gekoppelt. Deshalb wäre die Aussage, die AfD wolle Deutschland nun auf jeden Fall in EU und Euro halten, nicht vom Papier gedeckt.

Hinzu kommt: Ein internes Strategiepapier ist kein beschlossenes Wahlprogramm. Parteien verändern verbindliche Positionen durch Parteitagsbeschlüsse und Programme, nicht allein durch Beratungen von Funktionsträgern. Das Bundestagswahlprogramm 2025 enthielt noch ausdrücklich die Forderung, Deutschland müsse das Euro-System verlassen.

KIVOZ-Urteil: Die Aussage, die AfD habe den Dexit „aufgegeben“, ist verkürzt. Richtig ist, dass das diskutierte Papier einen unmittelbaren Austrittskurs zugunsten von „Reform zuerst“ zurückstellt. Falsch wäre, daraus eine vorbehaltlose Festlegung auf den Verbleib abzuleiten. Zudem handelt es sich bislang um eine interne Strategie, nicht um ein neu beschlossenes Parteiprogramm.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Stand 7. Oktober 2026.