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Mediencheck: Hat die AfD in Sachsen-Anhalt wirklich in allen Bevölkerungsgruppen 40 Prozent?

Ein Wahlforscher sagt, die AfD werde inzwischen aus allen Bevölkerungsgruppen unterstützt. Daraus wird schnell: überall 40 Prozent. Das ist nicht dasselbe.

Aktualisierung/Korrektur: Stand: 1. September 2026. Untergruppenwerte aus Umfragen haben größere statistische Unsicherheiten als Gesamtwerte.

Ausgangsbehauptung: Weil Wahlforscher von AfD-Unterstützung „in allen Bevölkerungsgruppen“ sprechen, erreiche die Partei in Sachsen-Anhalt praktisch überall ihre rund 40 Prozent.

Urteil: verkürzt/irreführend.

Die Aussage hat einen realen Ausgangspunkt. Stefan Merz von Infratest dimap beschreibt die AfD-Unterstützung kurz vor der Landtagswahl als gesellschaftlich breit. Die Partei gewinnt Stimmen in allen größeren Bevölkerungsgruppen. Daraus folgt aber nicht, dass ihr Anteil in jeder Gruppe gleich hoch ist.

Was „in allen Gruppen“ tatsächlich bedeutet

Wahlforschung zerlegt die Wählerschaft unter anderem nach Geschlecht, Alter, Bildung, Beruf und Wohnort. In Sachsen-Anhalt bestehen dabei weiterhin deutliche Unterschiede. Männer wählen die AfD häufiger als Frauen, Arbeiter häufiger als manche andere Berufsgruppen, Menschen ohne Abitur häufiger als Akademiker und ländliche Wähler häufiger als Bewohner mancher Städte.

Der bemerkenswerte Befund ist ein anderer: Die AfD ist nicht mehr auf ein enges Kernmilieu beschränkt. Selbst dort, wo ihr Anteil relativ niedriger liegt, erreicht sie inzwischen erhebliche Unterstützung und kann nach aktuellen Umfragen teilweise stärkste Kraft sein.

Warum die Formulierung leicht missverstanden wird

„Unterstützung in allen Bevölkerungsgruppen“ ist eine qualitative Aussage über Reichweite. „40 Prozent in allen Bevölkerungsgruppen“ wäre eine quantitative Aussage über nahezu identische Anteile. Die zweite Aussage ist durch die erste nicht gedeckt.

Das Problem ist typisch für die Berichterstattung über Umfragen. Ein Gesamtwert – etwa 40 Prozent – wird mit einer Aussage über Untergruppen kombiniert. Im Kopf entsteht daraus schnell eine Zahl, die auf jede Untergruppe übertragen wird.

Auch Untergruppenwerte haben Unsicherheit

Hinzu kommt ein methodischer Punkt: Eine repräsentative Umfrage umfasst nur einen begrenzten Stichprobenumfang. Wird diese Stichprobe anschließend in Frauen, Männer, Altersklassen, Bildungsgruppen oder Berufsgruppen zerlegt, werden die einzelnen Teilstichproben kleiner. Damit steigt die statistische Unsicherheit.

Untergruppenanalysen eignen sich gut, um starke Muster zu erkennen. Kleine Prozentunterschiede sollten dagegen nicht überinterpretiert werden. Auch der Gesamtwert einer Sonntagsfrage ist keine Vorhersage des Wahlergebnisses.

Warum der korrekte Befund politisch sogar wichtiger ist

Die Übertreibung „überall 40 Prozent“ macht die Lage nicht präziser. Der belastbare Befund ist politisch bereits erheblich: Die AfD erreicht in Sachsen-Anhalt inzwischen Wähler über traditionelle Milieugrenzen hinweg. Demokratische Wettbewerber können ihren Erfolg deshalb nicht mehr mit einer einzigen sozialen Zielgruppe erklären.

Genau hier liegt der Unterschied zwischen kritischer Einordnung und Dramatisierung. Die Daten rechtfertigen die Aussage einer breiten gesellschaftlichen Verankerung. Sie rechtfertigen nicht die Behauptung, jede Bevölkerungsgruppe unterstütze die AfD im gleichen Umfang.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Stand: 1. September 2026. Untergruppenwerte aus Umfragen haben größere statistische Unsicherheiten als Gesamtwerte.