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Zweiter Angriff nach 30 Minuten: Was über den russischen Doppelschlag auf Krywyj Rih bekannt ist

Ein russischer Drohnenangriff auf ein Einkaufszentrum in Krywyj Rih hat mindestens 15 Menschen getötet und rund 130 verletzt. Ein zweiter Schlag folgte, als Rettungskräfte bereits vor Ort waren.

Aktualisierung/Korrektur: Recherche- und Aktualisierungsstand: 22.08.2026, 08:59 Uhr. Opferzahlen sind vorläufig; Reuters meldete zuletzt 16 Tote, ukrainische Behörden zuvor 15.
Stadtansicht von Krywyj Rih in der Ukraine mit Straßen und Gebäuden.

KRYWYJ RIH. Ein russischer Angriff auf ein belebtes Einkaufszentrum in der zentralukrainischen Großstadt Krywyj Rih hat am 21. August mindestens 15 Menschen getötet und rund 130 verletzt. Unter den Verletzten sind nach ukrainischen Angaben mehr als 20 Kinder. Reuters berichtete am frühen 22. August bereits von 16 Toten; die Opferzahlen entwickelten sich während der Rettungsarbeiten weiter. Deshalb sind alle Zahlen vorläufig.

Besonders schwer wiegt der Ablauf. Nach Angaben von Präsident Wolodymyr Selenskyj und regionalen Behörden traf zunächst eine Drohne das Einkaufszentrum. Etwa 30 Minuten später folgte ein zweiter Angriff, als Rettungs- und Einsatzkräfte bereits am Ort arbeiteten. Geolokalisierte Aufnahmen, die vom Institute for the Study of War ausgewertet wurden, stützen die Darstellung eines Doppelschlags.

Was bestätigt ist – und was noch nicht

Bestätigt sind massive zivile Schäden, Tote und eine große Zahl Verletzter. Ukrainische Staatsanwaltschaften haben Ermittlungen wegen eines möglichen Kriegsverbrechens aufgenommen. Nicht öffentlich geklärt ist bislang, welches konkrete militärische Ziel Russland für den Angriff beansprucht oder ob ein solches am Ort vorhanden war. Diese Frage ist für die völkerrechtliche Bewertung wichtig, ändert aber nichts daran, dass Zivilpersonen und zivile Objekte grundsätzlich geschützt sind.

Das humanitäre Völkerrecht verpflichtet Konfliktparteien, zwischen militärischen Zielen und Zivilisten zu unterscheiden und unverhältnismäßige Angriffe zu unterlassen. Medizinisches und humanitäres Personal genießt besonderen Schutz. Ein zweiter Angriff auf bereits eingetroffene Rettungskräfte wäre deshalb besonders gravierend, wenn nachgewiesen wird, dass gerade die geschützten Helfer Ziel des Schlages waren. Die Bezeichnung „Double Tap“ beschreibt zunächst die Taktik zweier zeitlich versetzter Schläge; sie ersetzt keine juristische Einzelfallprüfung.

Teil einer intensiveren russischen Luftkampagne

Der Angriff folgt auf eine Serie schwerer russischer Luftangriffe auf ukrainische Städte. Einen Tag zuvor war Kyjiw massiv mit Raketen und Drohnen angegriffen worden. Die Ukraine leidet zugleich unter begrenzten Beständen moderner Flugabwehrmunition, insbesondere für Systeme gegen ballistische Raketen.

Die Ukraine greift ihrerseits mit Langstreckendrohnen militärische Infrastruktur, Flugplätze, Ölraffinerien und Logistik in Russland an. Auch für ukrainische Angriffe gelten dieselben Regeln des humanitären Völkerrechts. Der grundlegende völkerrechtliche Kontext bleibt jedoch asymmetrisch: Russland begann 2022 die großangelegte Invasion; die Ukraine besitzt das Recht auf Selbstverteidigung gegen diesen Angriff.

Der Angriff auf Krywyj Rih zeigt, warum Luftverteidigung nicht nur eine Frage militärischer Fronten ist. Einkaufszentren, Wohngebiete und Rettungsdienste liegen hunderte Kilometer hinter der Front und bleiben dennoch verwundbar. Die laufenden Ermittlungen müssen nun klären, welche Waffen genau eingesetzt wurden, welche Ziele Russland verfolgte und ob der zweite Schlag gezielt die Helfer traf.