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BRICS in Neu-Delhi: Warum der globale Süden mehr Macht in IWF und Weltbank verlangt

Vor dem BRICS-Gipfel fordern Finanzminister mehr Gewicht für Schwellenländer in IWF und Weltbank. Doch der gewachsene Staatenblock ist selbst voller Interessengegensätze.

Wenn die Staats- und Regierungschefs der BRICS-Staaten an diesem Wochenende in Neu-Delhi zusammentreffen, geht es um mehr als symbolische Gegenmacht zum Westen. Finanzminister und Notenbankchefs des Blocks haben vorab eine Reform der globalen Entwicklungs- und Finanzinstitutionen gefordert. IWF und Weltbank sollten repräsentativer, transparenter und rechenschaftspflichtiger werden – und das gestiegene wirtschaftliche Gewicht von Schwellen- und Entwicklungsländern besser abbilden.

Die Forderung ist nicht neu. Neu ist die Größe und Heterogenität des Blocks, der längst über Brasilien, Russland, Indien, China und Südafrika hinausgewachsen ist. Mit Staaten wie Iran, Ägypten, Äthiopien, Indonesien und den Vereinigten Arabischen Emiraten versammelt BRICS Länder, deren außenpolitische und wirtschaftliche Interessen keineswegs deckungsgleich sind.

Mehr Stimmgewicht – aber nach welchem Schlüssel?

Im Kern kritisieren viele Schwellenländer, dass Stimmrechte und Führungsstrukturen internationaler Finanzinstitutionen die heutige Weltwirtschaft nur unvollständig widerspiegeln. China und Indien haben ihren Anteil an globaler Produktion stark erhöht, während institutionelle Macht langsamer gewachsen ist. Eine Reform könnte Quoten, Stimmrechte, Kapitalanteile oder die Auswahl von Führungspersonal betreffen.

Doch schon hier beginnen die Konflikte. Ein größerer Anteil für ein Land bedeutet bei begrenzter Gesamtstimmzahl häufig weniger relatives Gewicht für ein anderes. Zudem unterscheiden sich BRICS-Mitglieder erheblich in Wirtschaftsgröße, Währungsstabilität und geopolitischen Zielen.

Eigene Zahlungssysteme als zweites Projekt

Die Finanzminister wollen außerdem grenzüberschreitende Zahlungen schneller und günstiger machen und die Interoperabilität nationaler Systeme verbessern. Indien drängt auf Fortschritte bei der Verbindung digitaler Währungen. Dahinter steht einerseits ein legitimes Effizienzproblem: Internationale Überweisungen können teuer und langsam sein. Andererseits spielt der Wunsch eine Rolle, die Abhängigkeit vom dollarzentrierten Finanzsystem zu reduzieren.

Das ist noch keine gemeinsame BRICS-Währung und auch kein kurzfristiges Ende des Dollars als wichtigste Reservewährung. Solche Schlagzeilen überspringen mehrere ökonomische Voraussetzungen: tiefe Kapitalmärkte, Vertrauen in Rechtsstaatlichkeit, freie Konvertierbarkeit und eine gemeinsame Geldpolitik lassen sich nicht durch einen Gipfelbeschluss erzeugen.

Der Iran-Krieg testet die politische Einheit

Der Gipfel findet zugleich in einer Phase massiver Spannungen im Nahen Osten statt. Iran ist BRICS-Mitglied, ebenso die Vereinigten Arabischen Emirate. Die Konfliktlage zeigt, dass die Erweiterung den Block wirtschaftlich gewichtiger, politisch aber nicht automatisch geschlossener gemacht hat.

Für viele Staaten des globalen Südens ist genau das kein Widerspruch. Sie suchen keine neue supranationale Union nach EU-Vorbild, sondern zusätzliche Foren, in denen sie Interessen bündeln können, ohne sich dauerhaft einem einzigen geopolitischen Lager unterzuordnen.

Ob BRICS die Weltfinanzordnung verändert, wird deshalb weniger an großen Erklärungen zu messen sein als an konkreten Quotenreformen, funktionierenden Zahlungssystemen und der Fähigkeit, trotz interner Konflikte gemeinsame Positionen zu formulieren.

Quellen

Redaktioneller Hinweis: Stand: 12.09.2026 vor Abschluss des BRICS-Gipfels. Eine gemeinsame Gipfelerklärung und konkrete Beschlüsse können die Bewertung verändern.