Deutschlands Wirtschaft sendet im August zwei gegensätzliche Signale. Der vorläufige S&P-Global-Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe stieg auf 54,1 Punkte – den höchsten Stand seit 51 Monaten. Gleichzeitig fiel der Dienstleistungsindex auf 48,5 Punkte und signalisiert damit Schrumpfung. Der Gesamtindex blieb mit 51,0 knapp im Wachstumsbereich.
Das passt zu einer Konjunktur, die sich erholt, aber noch keinen breit getragenen Aufschwung erreicht. Die Bundesbank stellte in ihrem August-Monatsbericht fest, dass das reale BIP im zweiten Quartal um 0,2 Prozent gegenüber dem Vorquartal gestiegen ist, nach revidiert 0,4 Prozent im ersten Quartal. Die zugrunde liegende Dynamik sei robuster als zuvor angenommen.
Warum die Industrie plötzlich besser aussieht
Der Industriesektor profitiert von stärkerer Nachfrage und einer gegenüber früheren Krisenjahren verbesserten Lage energieintensiver Unternehmen. Das Bundeswirtschaftsministerium verweist auf positive Wachstumsbeiträge des Außenhandels. Zugleich bleibt die Binnenwirtschaft gedämpft.
Ein PMI ist keine Produktionsstatistik, sondern eine Befragung von Unternehmen. Werte über 50 deuten auf Expansion, darunter auf Kontraktion. Der Sprung auf 54,1 ist deshalb ein wichtiges Stimmungs- und Aktivitätssignal, aber noch kein Beweis für dauerhaft hohe industrielle Wachstumsraten.
Das Dienstleistungsproblem
Dass Dienstleistungen den fünften Monat in Folge schwächer laufen, verhindert eine einfache Aufschwungserzählung. Gerade konsumnahe Bereiche reagieren auf Kaufkraft, Unsicherheit und Finanzierungskosten. Positiv ist, dass sich der Auftragseingang leicht verbesserte und die Beschäftigung nach langer Schwäche insgesamt stabilisierte.
Drei Risiken bleiben
Erstens sind Energiepreise nach der Eskalation im Nahen Osten wieder höher. Zweitens belasten historisch niedrige Wasserstände wichtige Binnenschifffahrtsrouten und damit Teile der Industrie. Drittens liegen Unternehmensinsolvenzen laut IWH weiterhin auf außergewöhnlich hohem Niveau.
Die angemessene Diagnose lautet deshalb weder ‚Deutschland boomt‘ noch ‚Deutschland stürzt ab‘. Nach langer Schwäche gibt es reale Erholungssignale, vor allem in der Industrie. Ob daraus ein breiter Aufschwung wird, entscheidet sich daran, ob Investitionen und Konsum nachziehen und externe Belastungen beherrschbar bleiben.