Stand: 29. September 2026, 09:55 Uhr MESZ.
Der Euro geht mit einem alten Problem in den Herbst: Europas Abhängigkeit von importierter Energie wirkt wieder direkt auf die Währung. Nach einem Anstieg in Richtung 1,20 Dollar im August verlor die Gemeinschaftswährung im September rund zwei Prozent und notiert wieder unter 1,14 Dollar. Reuters führt dafür nicht einen einzelnen Auslöser an, sondern eine Kombination aus höheren Energiepreisen, politischen Risiken in Europa und einer restriktiveren US-Geldpolitik.
Warum Gas und Öl den Euro bewegen
Steigen die Preise für importiertes Gas und Öl, verschlechtert sich Europas Außenhandelsrechnung. Unternehmen zahlen mehr für Energie, Verbraucher verlieren Kaufkraft und die Inflation kann länger hoch bleiben. Gleichzeitig kann eine schwächere Konjunktur die Europäische Zentralbank daran hindern, allein mit höheren Zinsen zu reagieren. Genau diese Mischung macht einen Energiepreisschock für eine Währung unangenehm.
Besonders sichtbar ist das derzeit beim Gas. Europäische Preise lagen zuletzt zeitweise über 80 Euro je Megawattstunde. Der Markt reagiert auf geopolitische Risiken und gestörte Lieferwege. Das bedeutet nicht, dass Europa unmittelbar vor einem Versorgungsengpass steht. LNG-Terminals, alternative Lieferanten und Einsparungen haben die Struktur seit 2022 verändert. Aber Versorgungssicherheit und Preisstabilität sind zwei verschiedene Dinge: Gas kann verfügbar und trotzdem teuer sein.
Der Dollar hat einen zweiten Vorteil
Auf der anderen Seite des Wechselkurses steht der Dollar. Eine straffere US-Geldpolitik macht Anlagen in Dollar relativ attraktiver. Damit entsteht für den Euro Druck von zwei Seiten: höhere Importkosten in Europa und ein Zinsvorteil in den USA. Hinzu kommen politische Unsicherheiten in Frankreich und Deutschland, die sich unter anderem in Risikoprämien am Anleihemarkt zeigen.
Für Unternehmen ist der Wechselkurs nicht nur eine Zahl auf dem Devisenbildschirm. Ein schwächerer Euro verteuert viele in Dollar gehandelte Rohstoffe zusätzlich. Exportfirmen können dagegen profitieren, weil ihre Waren außerhalb des Euroraums günstiger werden. Der Nettoeffekt hängt deshalb stark von Branche, Energieintensität und Beschaffungsstruktur ab.
Was jetzt entscheidend wird
Die weitere Entwicklung hängt vor allem davon ab, ob der Energieschock anhält. Entspannen sich Gas- und Ölpreise, verliert ein wichtiger Belastungsfaktor an Gewicht. Bleiben sie hoch, dürfte die Debatte über Wettbewerbsfähigkeit, Inflation und die geldpolitische Reaktion der EZB an Schärfe gewinnen.
Prognosen für Wechselkurse sind notorisch unsicher. Reuters zitiert Marktteilnehmer mit unterschiedlichen Szenarien; einzelne Kursziele sind deshalb keine belastbaren Vorhersagen. Belastbar ist dagegen der Mechanismus: Für eine energieimportierende Volkswirtschaft kann ein anhaltender Preisschock gleichzeitig Wachstum, Inflation und Währung belasten.
Quellen
Redaktioneller Hinweis: Recherche- und Linkprüfung: 29.09.2026, 09:55 Uhr MESZ.