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Importpreise steigen um 6,8 Prozent: Wie der Energieschock deutsche Unternehmen trifft

Energie und Vorprodukte verteuern Deutschlands Einfuhren deutlich. Destatis zeigt, wo der neue Kostendruck herkommt – und warum er nicht eins zu eins bei Verbrauchern landet.

Aktualisierung/Korrektur: Recherche- und Aktualisierungsstand: 28. August 2026, 08:38 Uhr MESZ.

Deutschlands Unternehmen bekommen einen neuen Kostenschub aus dem Ausland zu spüren. Nach heute veröffentlichten Zahlen des Statistischen Bundesamtes lagen die Importpreise im Juli 6,8 Prozent über dem Vorjahresmonat. Gegenüber Juni stiegen sie um 0,2 Prozent. Haupttreiber ist Energie – und damit eine direkte wirtschaftliche Folge des Krieges im Nahen Osten.

Importierte Energie war 26,4 Prozent teurer als ein Jahr zuvor. Mineralölprodukte verteuerten sich um 47,5 Prozent, Rohöl um 22,3 Prozent, Erdgas um 18,8 Prozent und Strom um 19,7 Prozent. Importierter Diesel und Heizöl kosteten 52,4 Prozent mehr als im Juli 2025, Flugturbinenkraftstoff 62,6 Prozent mehr.

Der Preisdruck endet nicht bei Energie

Auch Vorleistungsgüter waren 10,2 Prozent teurer. Kupfer und Kupferhalbzeug verteuerten sich um 33 Prozent, Aluminium um 20,4 Prozent, elektronische Komponenten um 15 Prozent. Das trifft Maschinenbau, Elektrotechnik, Bau, Automobilindustrie und Energietechnik.

Die Zahlen sind kein Verbraucherpreisindex. Importpreise messen, was deutsche Unternehmen für eingeführte Waren vertraglich bezahlen, ohne Steuern und Zölle. Trotzdem können sie ein Frühindikator sein: Höhere Kosten werden teilweise weitergegeben, teilweise durch Margen aufgefangen oder durch günstigere Komponenten kompensiert.

Nicht alles wird teurer

Importierte Lebensmittel waren im Durchschnitt 6,8 Prozent günstiger als ein Jahr zuvor. Ohne Energie lagen die Importpreise noch 4,8 Prozent über dem Vorjahresniveau. Die Verbraucherpreisinflation lag im Juli bei 2,8 Prozent. Daraus folgt nicht automatisch, dass sie nun im selben Ausmaß wie die Importpreise steigt. Zwischen Einfuhrpreis und Ladenpreis liegen Verarbeitung, Löhne, Handelsspannen, langfristige Verträge und Steuern.

Geopolitik wird zur Kostenrechnung

Die Daten zeigen, wie schnell außenpolitische Krisen in Unternehmensbilanzen landen. Deutschland importiert große Mengen Energie und industrieller Vorprodukte. Wenn Transportwege, Ölversorgung oder Rohstoffmärkte gestört werden, wirkt das auch dann auf deutsche Preise, wenn die Krise Tausende Kilometer entfernt stattfindet.

Für die Wirtschaftspolitik entsteht ein Zielkonflikt. Strategische Diversifizierung und größere Lagerbestände erhöhen Resilienz, können kurzfristig aber teurer sein. Eine reine Beschaffung nach dem niedrigsten Weltmarktpreis ist effizient, solange Lieferketten funktionieren; sie wird riskant, wenn einzelne Routen oder Anbieter ausfallen.

Unternehmen reagieren unterschiedlich: Energieintensive Betriebe spüren Öl-, Gas- und Strompreise direkt, Hersteller mit hohem Metallanteil Kupfer und Aluminium. Wie stark daraus ein neuer Inflationsimpuls entsteht, hängt auch von der Nachfrage ab. Die heutigen Daten sind deshalb ein Warnsignal, aber noch keine Prognose für die Verbraucherpreise im Herbst.