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Mehr Genehmigungen, noch keine Entwarnung: Warum Deutschlands Wohnungsnot nicht schnell verschwindet

Die Baugenehmigungen ziehen deutlich an. Doch zwischen Genehmigung, Baubeginn und bezugsfertiger Wohnung liegen Zeit, Finanzierung und Kapazitätsengpässe.

Aktualisierung/Korrektur: Stand 17.08.2026. Genehmigungszahlen sind amtlich; ihre Übertragung auf künftige Fertigstellungen ist naturgemäß mit Unsicherheit verbunden.
Bau von Wohn- und Geschäftsgebäuden am Humboldthafen in Berlin.

Stand: 17. August 2026. Auf den ersten Blick ist es eine gute Nachricht: Im Mai 2026 wurden in Deutschland 21.000 Wohnungen genehmigt, 24,7 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Von Januar bis Mai waren es 104.700 Wohnungen in neuen und bestehenden Gebäuden. Nach Jahren der Baukrise deutet sich damit eine Erholung an. Für Menschen, die heute eine bezahlbare Wohnung suchen, ist das allerdings noch keine Entwarnung.

Eine Genehmigung ist noch keine Wohnung

Zwischen einem positiven Bescheid und einem Einzug liegen Grundstücksfragen, Finanzierung, Ausschreibungen, Baukapazitäten und oft Jahre. Hohe Zinsen und Baukosten haben viele bereits genehmigte Projekte verzögert. Die EU-Kommission weist darauf hin, dass der reale Wohnungsbau in Deutschland seit 2020 um mehr als 20 Prozent gesunken ist. 2024 lagen die deutschen Wohnungsbaukosten bei 147 Prozent des EU-Durchschnitts.

Die soziale Wirkung ist breiter als eine reine Mietendebatte. Wohnraummangel erschwert Arbeitsmobilität: Wer in München, Hamburg oder Frankfurt eine neue Stelle findet, muss sich den Umzug leisten können. Er trifft Familien, Studierende und Rentner ebenso wie Zugewanderte. Der Sachverständigenrat für Integration und Migration beschreibt Wohnen deshalb als Voraussetzung gesellschaftlicher Teilhabe.

Warum Migration den Engpass sichtbarer macht, aber nicht verursacht

In politischen Debatten wird Wohnungsnot häufig unmittelbar mit Zuwanderung verbunden. Zusätzliche Bevölkerung erhöht zweifellos die Nachfrage. Der Engpass ist aber älter und struktureller: zu wenig Neubau in Wachstumsregionen, langwierige Planung, hohe Grundstückspreise, gestiegene Finanzierungskosten und ein über Jahre schrumpfender Sozialwohnungsbestand. Eine Politik, die nur Nachfragegruppen gegeneinander ausspielt, baut keine zusätzliche Wohnung.

Für anerkannte Geflüchtete kommt ein besonderes Problem hinzu: Der Übergang aus Sammelunterkünften in den regulären Markt scheitert häufig an knappen Angeboten und Zugangshürden. Bleiben Menschen deshalb länger in öffentlichen Unterkünften, blockiert das wiederum kommunale Kapazitäten und erhöht Kosten.

Der Genehmigungsanstieg ist trotzdem wichtig

Die Zahlen zeigen, dass sich die Pipeline wieder füllt. Besonders relevant ist der Anstieg bei Mehrfamilienhäusern, weil dort in angespannten Städten ein großer Teil des zusätzlichen Angebots entstehen kann. Entscheidend wird nun sein, wie viele Genehmigungen tatsächlich in Baubeginne und Fertigstellungen übergehen.

Eine nachhaltige Wohnungsstrategie muss mehrere Ebenen gleichzeitig bearbeiten: schnellere Genehmigungen, verlässliche Förderung, Baulandmobilisierung, serielles Bauen, soziale Wohnraumförderung und bessere Nutzung des Bestands. Keine dieser Maßnahmen wirkt sofort. Gerade deshalb ist die Versuchung groß, Wohnungsnot als kurzfristigen Verteilungskonflikt zwischen Bevölkerungsgruppen zu erzählen. Die Daten sprechen für eine nüchternere Diagnose: Deutschland hat vor allem ein Angebotsproblem, das über Jahre entstanden ist und nur über Jahre behoben werden kann.