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Ist der Euro eine „instabile Währung“? Weidels Aussage im Faktencheck

Alice Weidel nennt den Euro instabil und eine Weichwährung. Das Urteil: als pauschale Tatsachenbehauptung irreführend – reale Krisen ändern daran wenig.

Aktualisierung/Korrektur: Stand: 24.08.2026, 08:15 Uhr. Urteil bezieht sich auf die pauschale Tatsachenbehauptung, nicht auf das politische Recht, einen Euro-Ausstieg zu fordern.

Behauptung: AfD-Chefin Alice Weidel sagte im ZDF-Sommerinterview, der Euro sei eine „instabile Währung“ beziehungsweise „Weichwährung“. Deutschland sei es vor der Gemeinschaftswährung deutlich besser gegangen.

Urteil: verkürzt/irreführend. Der Euroraum hat reale Konstruktionsprobleme und mehrere schwere Krisen erlebt. Die pauschale Beschreibung des Euro als instabile Währung wird durch langfristige Inflations-, Handels- und Nutzungsdaten jedoch nicht getragen. Der Wohlstandsvergleich „vor dem Euro besser“ lässt sich zudem nicht kausal aus der Währung ableiten.

Was Währungsstabilität überhaupt bedeutet

Stabilität kann Preisstabilität, Wechselkursstabilität, Vertrauen oder internationale Nutzung meinen. Die EZB definiert Preisstabilität mittelfristig mit einer Inflationsrate von zwei Prozent. Deutschland liegt aktuell darüber: Im Juli 2026 betrug die Inflationsrate 2,8 Prozent.

Das ist eine Zielüberschreitung, aber nicht automatisch ein Beleg für eine strukturell instabile Währung. Der Euro hat seit seiner Einführung Phasen niedriger Inflation ebenso erlebt wie die starken Preissteigerungen nach Pandemie, Energiekrise und geopolitischen Schocks.

Der Euro wird international breit genutzt

Die Bundesbank bezeichnet ihn als global zweitwichtigste Währung. Rund 75 Prozent der deutschen Warenexporte werden in Euro fakturiert. Bei Exporten in Staaten außerhalb der EU ist der Anteil geringer, aber weiterhin groß. Eine Währung, die Unternehmen und Handelspartner in diesem Umfang freiwillig zur Rechnungsstellung nutzen, erfüllt zentrale Stabilitäts- und Vertrauensfunktionen.

Wo Weidels Kritik einen realen Kern hat

Die Volkswirtschaften des Euroraums unterscheiden sich erheblich. Eine gemeinsame Geldpolitik kann deshalb nicht in jedem Moment für jedes Land optimal sein. Die Staatsschuldenkrise hat gezeigt, dass Währungsunion ohne vollständige Fiskalunion politische Spannungen erzeugt. Auch die EZB musste mit außergewöhnlichen Instrumenten auf Krisen reagieren.

Diese Kritik ist legitim. Sie belegt aber nicht, dass eine deutsche Währung automatisch stabiler oder wohlfahrtssteigernd wäre.

War Deutschland vor dem Euro „deutlich besser“?

Der Vergleich ist methodisch kaum als einfache Tatsachenbehauptung prüfbar. Seit Ende der 1990er-Jahre veränderten EU-Erweiterung, Globalisierung, Chinas Aufstieg, Finanzkrise, Demografie, Digitalisierung, Pandemie und Energiepreise die deutsche Wirtschaft. Wachstum oder Reallöhne vor und nach 1999 lassen sich nicht seriös ausschließlich dem Währungssystem zuschreiben.

Auch Studien, die einen großen deutschen Euro-Gewinn oder -Verlust berechnen, hängen stark von Modellannahmen und kontrafaktischen Vergleichsländern ab. Sie sollten nicht als exakte historische Messung behandelt werden.

Fazit

Weidel benennt reale Schwächen einer Währungsunion heterogener Volkswirtschaften. Ihre zugespitzte Diagnose „instabile Währung“ vermischt diese institutionelle Kritik jedoch mit einer empirischen Behauptung, für die die langfristige Nutzung und Preisentwicklung kein klares Fundament liefern. Noch weniger belegt ist der Satz, Deutschland sei es wegen der früheren D-Mark deutlich besser gegangen.