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Human Safari in Kherson: Wie russische Drohnen Zivilisten jagen

Human Safari in Kherson: Russische FPV-Drohnen verfolgen Zivilisten auf Straßen, in Autos, Bussen und bei Rettungseinsätzen. UN-Ermittler dokumentieren Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit.

Aktualisierung/Korrektur: SEO-/Bridge-Update am 01.09.2026: Fokus-Keyphrase auf „Human Safari in Kherson“ vereinheitlicht, Einstieg und Social-Metadaten optimiert; Yoast-Kompatibilitätsfelder ergänzt. Beitragsbild auf direkte Wikimedia-Originaldatei umgestellt, um Importprobleme durch Redirects zu vermeiden.
Human Safari in Kherson: Ein ziviler Kleinbus nach einem russischen FPV-Drohnenangriff am 9. Juli 2026.

Beitragsbild: Ein ziviler Kleinbus in Kherson nach einem russischen FPV-Drohnenangriff vom 9. Juli 2026. Archiv-/Kontextbild; National Police of Ukraine / Wikimedia Commons, CC BY 4.0.

Hintergrund. Die Human Safari in Kherson ist der Name für eine von internationalen Ermittlern dokumentierte russische Drohnenkampagne gegen Zivilisten. Ein Mann stellt morgens Gemüse an einem Marktstand in Kherson aus. Über ihm taucht eine kleine Drohne auf. Sie fliegt nicht einfach über den Markt hinweg. Sie folgt ihm. Der Mann versucht sichtbar zu machen, dass er Zivilist ist, zeigt auf seine Waren und läuft um sein Fahrzeug. Die Drohne bleibt bei ihm, nähert sich wieder und wieder und detoniert schließlich in seiner Nähe. Er überlebt verletzt.

Das Video dieses Angriffs vom August 2026 ging international um die Welt. Für die Menschen in Kherson war daran wenig neu. Seit dem Sommer 2024 beschreiben Bewohner, Ärzte, Rettungskräfte und Menschenrechtsorganisationen eine Form des Drohnenkriegs, für die sich vor Ort ein verstörender Begriff eingebürgert hat: „Human Safari“ – Menschenjagd.

Die Dokumentations- und Aktionsseite humansafari.org sammelt Berichte, Videos, Zeugenaussagen, internationale Untersuchungen und Möglichkeiten zur Unterstützung der Bevölkerung. Sie beschreibt die russische Taktik als Einsatz kleiner bewaffneter Drohnen, mit denen Zivilisten verfolgt, getötet und terrorisiert werden. Die Seite ist eine Advocacy- und Dokumentationsinitiative, keine gerichtliche Instanz. Ihre zentrale Darstellung des Geschehens wird jedoch in wesentlichen Punkten von unabhängigen Untersuchungen der Vereinten Nationen und von Human Rights Watch gestützt.

Warum gerade FPV-Drohnen die Angriffe so eindeutig machen

FPV steht für First Person View. Der Operator sieht über die Kamera der Drohne in Echtzeit, was sich vor dem Fluggerät befindet. Anders als bei einem weit entfernten Artillerieschlag kann der Pilot ein einzelnes Fahrzeug verfolgen, einen Fußgänger beobachten, Richtungsänderungen nachvollziehen und einen Angriff abbrechen.

Genau diese technische Eigenschaft ist für die rechtliche Bewertung entscheidend. Wer über viele Sekunden einen Menschen auf einem Fahrrad, einen Marktverkäufer, einen Bus oder eine Ambulanz verfolgt, verfügt regelmäßig über deutlich mehr Informationen über das Ziel als ein Schütze, der nur Koordinaten erhält.

Human Rights Watch untersuchte für einen umfangreichen Bericht 59 Personen, darunter 36 Überlebende und Zeugen, sowie 83 Videos von Drohnenangriffen, die auf russischen militärnahen Telegram-Kanälen verbreitet worden waren. Die Organisation dokumentierte mindestens 45 Angriffe in Antonivka und dem Dniprovskyi-Bezirk von Kherson, die nach ihrer Bewertung offenbar gezielt Zivilisten oder zivile Objekte trafen. In mehreren Fällen ließ sich anhand des Videomaterials nachvollziehen, dass für den Operator erkennbar war, dass es sich um ein ziviles Ziel handelte.

Die unabhängige Internationale Untersuchungskommission der Vereinten Nationen ging noch weiter. Sie untersuchte mehr als 300 öffentlich zugängliche Videos und mehr als 600 Telegram-Beiträge und befragte 91 Menschen aus betroffenen Gebieten. Ihr Ergebnis ist außergewöhnlich deutlich: Russische Streitkräfte hätten Zivilisten auf dem ukrainisch kontrollierten rechten Dnipro-Ufer wiederholt gezielt angegriffen. Die Angriffe seien weitverbreitet, systematisch und Teil einer koordinierten staatlichen Politik gewesen.

Der Marktverkäufer: Ein aktuelles Beispiel

Das im August 2026 veröffentlichte Video eines Marktverkäufers zeigt besonders anschaulich, was mit „Human Safari“ gemeint ist. Das Fluggerät kreist um den Mann und sein Fahrzeug und bleibt bei ihm, obwohl keine für einen Betrachter erkennbare militärische Tätigkeit zu sehen ist. Reuters berichtete über den Fall und die ukrainische Beschuldigung eines Kriegsverbrechens. Der Mann überlebte mit Schock- und Splitterverletzungen.

Solches Bildmaterial sollte mit Vorsicht betrachtet werden. Einzelne Videos aus einem Krieg können falsch zugeordnet, geschnitten oder aus dem Kontext gelöst sein. Im Fall von Kherson besteht die Beweislage aber gerade nicht aus einem einzelnen viralen Clip. Die UN-Kommission und Human Rights Watch haben Hunderte Videos beziehungsweise umfangreiche Serien ausgewertet, geolokalisiert, mit Zeugenaussagen verglichen und wiederkehrende Muster festgestellt.

Wer sich mit dem Material selbst beschäftigen möchte, findet auf humansafari.org eine Linkbibliothek mit Berichten, Interviews und Videos. Die Seite verweist außerdem auf den Dokumentarfilm „Kherson: Human Safari“, der in der Stadt gedreht wurde. Der Film verbindet Aufnahmen der Drohnenbedrohung mit dem Alltag der Bevölkerung und dokumentiert, wie Menschen versuchen, unter ständiger Gefahr weiterzuarbeiten, Kinder zu unterrichten oder kulturelles Leben aufrechtzuerhalten.

Busse, Fahrräder, Krankenwagen und Helfer

Die dokumentierten Angriffe folgen keinem Muster, das sich auf militärische Transporte reduzieren ließe. Human Rights Watch berichtet von Zivilisten, die beim Fahrradfahren, Gehen, Autofahren, in öffentlichen Verkehrsmitteln oder in ihren Häusern angegriffen wurden. Lebensmittelgeschäfte, Fahrzeuge zur Versorgung, Wasser- und Strominfrastruktur sowie Mitarbeiter kommunaler Dienste wurden ebenfalls getroffen.

Besonders schwer wiegen sogenannte Folgeangriffe. Die UN-Kommission dokumentierte Fälle, in denen zunächst ein Zivilist getroffen wurde und anschließend eine Ambulanz oder Helfer angegriffen wurden, die zur Versorgung des Verletzten eintrafen. Krankenwagen und medizinisches Personal genießen nach dem humanitären Völkerrecht besonderen Schutz.

Im Juli 2026 wurde im Zentrum von Kherson erneut ein Linien- beziehungsweise Kleinbus von einer FPV-Drohne getroffen; acht Insassen wurden verletzt. Frei nutzbare Aufnahmen der ukrainischen Nationalpolizei zeigen das zerstörte Fahrzeug. Im August meldeten die ukrainischen Behörden einen weiteren Drohnenangriff auf einen zivilen Bus mit vier Toten. Solche aktuellen Fälle zeigen, dass die Taktik keineswegs ein abgeschlossenes Kapitel des Jahres 2024 ist.

Die Zahlen: Das Problem wächst weiter

Für die frühe Phase der Kampagne meldete die Stadtverwaltung von Kherson zwischen Mai und Mitte Dezember 2024 mindestens 30 getötete und 483 verletzte Zivilisten durch Drohnenangriffe. Die UN-Kommission erklärte im Mai 2025, nach offiziellen Angaben seien in Kherson und 16 Ortschaften des ukrainisch kontrollierten Gebietes nahezu 150 Zivilisten durch die untersuchte Drohnenkampagne getötet und Hunderte verletzt worden.

Seitdem ist der Einsatz kurzer Reichweiten-Drohnen entlang der Front weiter eskaliert. Die UN-Menschenrechtsmission registrierte im April 2026 allein in der Stadt Kherson 26 getötete und 201 verletzte Zivilisten durch unterschiedliche Kampfmittel. Im Juni waren in der Region Kherson 18 Tote und 236 Verletzte zu beklagen. Landesweit erreichten die durch Kurzstreckendrohnen verursachten zivilen Opfer im Juli 2026 mit 111 Toten und 710 Verletzten einen neuen Monatsrekord seit Beginn der russischen Vollinvasion.

Nicht jede dieser Zahlen ist automatisch Teil der speziell als „Human Safari“ bezeichneten Angriffsserie. Sie zeigen aber, wie zentral kleine Drohnen inzwischen für das zivile Gefährdungsbild an der Front geworden sind.

Zwei Ufer – zwei unterschiedliche Formen derselben Katastrophe

Wer über Kherson spricht, muss zwischen dem rechten und dem linken Ufer des Dnipro unterscheiden. Die Bezeichnungen folgen der Fließrichtung des Flusses.

Rechtes Ufer Linkes Ufer
Ukrainisch kontrolliert: Kherson-Stadt, Antonivka und weitere Orte entlang des Flusses. Russisch besetzt: unter anderem Oleshky, Hola Prystan, Stara Zburivka und Nova Zburivka.
Hier ist die gezielte russische Drohnenjagd auf Zivilisten durch UN und HRW umfassend dokumentiert. Hier steht eine akute humanitäre Einschließung im Vordergrund: fehlende Versorgung, Minen, Drohnengefahr und kaum sichere Evakuierung.
Die UN hat für die untersuchte russische Kampagne Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit festgestellt. Bei einzelnen Drohnenvorfällen konnte die UN den Urheber teilweise nicht sicher feststellen. Unabhängig davon trägt Russland als Besatzungsmacht besondere Pflichten für Versorgung, Schutz und humanitären Zugang.

Rechtes Ufer: Die „Human Safari“ im engeren Sinn

Kherson-Stadt liegt auf dem rechten, nördlichen Ufer. Russische Truppen zogen sich im November 2022 aus der Stadt zurück und blieben auf dem gegenüberliegenden, linken Ufer in unmittelbarer Reichweite. Von dort aus werden Kherson und die angrenzenden Orte mit Artillerie, Bomben und Drohnen angegriffen.

Die von der UN untersuchte „Human Safari“ betrifft vor allem einen mehr als 100 Kilometer langen Streifen am rechten Ufer. Spätere Ermittlungen der Kommission erweiterten das dokumentierte Muster sogar auf Gebiete entlang von mehr als 300 Kilometern des Dnipro in den Regionen Kherson, Mykolajiw und Dnipropetrowsk.

Der Terror wirkt auch dann, wenn keine Drohne trifft. Einwohner berichten, dass sie auf das Summen am Himmel achten, nur bei ungünstigem Flugwetter einkaufen gehen, Wege unter Bäumen wählen und ständig nach Deckung suchen. In Antonivka sank die Einwohnerzahl nach Angaben lokaler Behörden zwischen Mai und Dezember 2024 von 4.570 auf etwa 2.300. Viele der Zurückgebliebenen sind ältere Menschen.

Linkes Ufer: Oleshky und die „Drone Siege“

Auf dem russisch besetzten linken Ufer ist die Lage anders – und sie darf nicht einfach als Spiegelbild des rechten Ufers dargestellt werden. humansafari.org bezeichnet die Situation dort als „Drone Siege“. Genannt werden Oleshky, Hola Prystan, Stara Zburivka und Nova Zburivka.

Die UN-Menschenrechtsmission schätzte im Juni 2026, dass in den betroffenen Gemeinden noch bis zu 6.000 Zivilisten leben, darunter mehr als 180 Kinder. Bewohner berichteten von fehlendem Essen, Medikamenten, Strom, Gas und medizinischer Versorgung. Nach Angaben der UN hatte Oleshky bis zum 24. Juni seit dem 26. Mai keine Lebensmittellieferung mehr erreicht. Verletzte konnten teilweise nicht in besser ausgestattete Krankenhäuser gebracht werden.

Die UN dokumentierte für Oleshky und Hola Prystan im Jahr 2026 Berichte über mindestens 29 getötete und 54 verletzte Zivilisten; viele Fälle wurden verifiziert. Zugleich erklärte die Mission ausdrücklich, dass sie bei einzelnen Drohnenangriffen in dem hochintensiven Frontgebiet die Verantwortlichkeit nicht immer abschließend bestimmen konnte.

Diese Unsicherheit über einzelne Einschläge ändert nichts an einem anderen rechtlichen Punkt: Das linke Ufer steht unter russischer Besatzung. Damit treffen Russland als Besatzungsmacht eigenständige Pflichten gegenüber der dort lebenden Zivilbevölkerung.

Berichte über menschliche Schutzschilde und verhinderte Evakuierung

Die Seite humansafari.org wirft russischen Kräften vor, Zivilisten am linken Ufer als menschliche Schutzschilde zu benutzen und Evakuierungen beziehungsweise humanitären Zugang systematisch zu behindern. Diese Vorwürfe stammen nicht nur aus der Initiative selbst. Das Büro für demokratische Institutionen und Menschenrechte der OSZE berichtete im Juli 2026, es habe Zeugenaussagen erhalten, wonach russische Kräfte Einwohner am Verlassen von Oleshky hinderten und Zivilisten zum Schutz militärischer Positionen einsetzten.

Human Rights Watch beschrieb die Evakuierung aus Oleshky ebenfalls als lebensgefährlich und unorganisiert. Bewohner berichteten von russischen Checkpoints, unvorhersehbaren Kontrollverfahren, fehlenden sicheren Routen und der Notwendigkeit, teilweise über Russland und Belarus zu reisen, um wieder in ukrainisch kontrolliertes Gebiet zu gelangen.

Der Einsatz menschlicher Schutzschilde ist nach dem humanitären Völkerrecht verboten. Würde nachgewiesen, dass Zivilisten bewusst eingesetzt werden, um militärische Positionen oder Operationen vor Angriffen zu schützen, kann dies in einem internationalen bewaffneten Konflikt ein Kriegsverbrechen darstellen.

Russlands Pflichten als Besatzungsmacht

Für die Versorgungslage auf dem linken Ufer ist zusätzlich das Besatzungsrecht entscheidend. Die Vierte Genfer Konvention verpflichtet eine Besatzungsmacht, im Rahmen ihrer verfügbaren Mittel die Versorgung der Bevölkerung mit Lebensmitteln und medizinischen Gütern sicherzustellen. Ist die Bevölkerung unzureichend versorgt, muss die Besatzungsmacht Hilfsaktionen zulassen und mit allen verfügbaren Mitteln erleichtern.

Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz weist darauf hin, dass es derzeit selbst nicht in den russisch kontrollierten Teilen der Regionen Kherson und Saporischschja präsent ist. Gerade deshalb ist unabhängiger humanitärer Zugang so wichtig.

Ob einzelne Behinderungen oder Versorgungsengpässe zusätzlich einen bestimmten internationalen Straftatbestand erfüllen, hängt von Tatsachen und Vorsatz ab und muss untersucht werden. Juristisch klar ist jedoch: Russland kann sich als Besatzungsmacht nicht darauf zurückziehen, dass eine Frontlinie schwierig zu versorgen sei. Besatzungsrecht begründet positive Pflichten gegenüber den dort verbliebenen Zivilisten.

Die rechtliche Einordnung: Nicht nur „mutmaßliche“ Kriegsverbrechen

Bei vielen Kriegsereignissen ist journalistische Vorsicht nötig: Ein Vorwurf wird erhoben, eine Untersuchung läuft, ein Gericht hat noch nicht entschieden. Bei der russischen Drohnenkampagne auf dem rechten Ufer von Kherson liegt inzwischen jedoch eine ungewöhnlich weitreichende internationale Feststellung vor.

Die unabhängige UN-Untersuchungskommission kam im Mai 2025 zu mehreren Schlüssen:

  • Russische Streitkräfte begingen das Kriegsverbrechen des vorsätzlichen Angriffs auf Zivilpersonen.
  • Das Veröffentlichen von Videos, die die Tötung und Verletzung von Zivilisten zeigen, wurde als Kriegsverbrechen der Verletzung der persönlichen Würde bewertet.
  • Die weitverbreiteten und systematischen Tötungen im Rahmen einer koordinierten Politik erfüllen nach Einschätzung der Kommission den Tatbestand des Verbrechens gegen die Menschlichkeit des Mordes.
  • Die Kommission sah zudem Anhaltspunkte dafür, dass die Kampagne auf die Vertreibung der Bevölkerung zielt und ein Verbrechen gegen die Menschlichkeit der gewaltsamen Überführung beziehungsweise Vertreibung vorliegen könnte.

Das humanitäre Völkerrecht verbietet außerdem ausdrücklich Handlungen oder Drohungen mit Gewalt, deren hauptsächlicher Zweck es ist, die Zivilbevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. Die UN-Kommission sah in den Angriffen, den veröffentlichten Videos und den begleitenden Drohungen auf russischen Telegram-Kanälen genau ein solches Muster.

Warum das Veröffentlichen der Videos Teil der Gewalt ist

Die Videos erfüllen nicht nur eine dokumentarische Funktion. Russische militärnahe Telegram-Kanäle verbreiteten Aufnahmen von Angriffen, teilweise zusammen mit Karten sogenannter „roter Zonen“ und Drohungen gegen Menschen, die dort weiter lebten oder fuhren.

Für die UN ist diese Veröffentlichung Teil der Einschüchterung. Eine Warnung, dass in einem Gebiet jeder Mensch oder jedes Fahrzeug angegriffen werde, macht Angriffe auf Zivilisten nicht legal. Zivilisten verlieren ihren Schutz nicht dadurch, dass sie in Frontnähe wohnen, ein Auto benutzen oder eine Straße befahren.

Die Kombination aus präziser Beobachtung durch die Drohnenkamera, sichtbarer ziviler Eigenschaft vieler Ziele, wiederkehrendem Vorgehen und anschließender Veröffentlichung der Aufnahmen ist deshalb zentral für die Feststellung von Vorsatz.

Keine „unvermeidbaren Kollateralschäden“

Der Begriff „Kollateralschaden“ wäre für den dokumentierten Kern der Human-Safari-Angriffe irreführend. Kollateralschäden sind unbeabsichtigte zivile Schäden bei einem Angriff auf ein militärisches Ziel und unterliegen strengen Regeln der Verhältnismäßigkeit und Vorsorge. Die von UN und Human Rights Watch untersuchten Fälle betreffen dagegen gerade Situationen, in denen Zivilisten oder zivile Objekte selbst zum Ziel gemacht wurden.

Dass in Kherson zugleich ukrainische Soldaten stationiert sind und militärische Operationen stattfinden, hebt den Schutz der Zivilbevölkerung nicht auf. Ein Mensch darf nicht allein deshalb angegriffen werden, weil er sich in einer Frontstadt befindet. Der Operator muss zwischen militärischen und zivilen Zielen unterscheiden und einen Angriff abbrechen, wenn er erkennt, dass das Ziel zivil ist.

Was Schutz in Kherson praktisch bedeutet

Die Bevölkerung und Hilfsorganisationen reagieren mit einer Mischung aus Technik und Improvisation: Drohnendetektoren warnen vor anfliegenden Fluggeräten, Schutzwesten werden an Helfer ausgegeben, Straßenabschnitte mit Netzen überspannt und Fahrzeuge besonders gesichert. Alte Fischernetze aus europäischen Ländern werden zu Anti-Drohnen-Tunneln über Straßen und kritischer Infrastruktur.

Das ist auch der Ansatz eines der Projekte, auf die humansafari.org verweist. Die Website bündelt unter „Donate“ mehrere Möglichkeiten, konkret zu helfen: Fellas4Europe unterstützt Maßnahmen zum Schutz der Zivilbevölkerung in Kherson, das Anti Human Safari Project sammelt für Drohnendetektoren und Schutzwesten für Freiwillige und Rettungskräfte, und das Projekt rund um den Dokumentarfilm unterstützt Dokumentation und Hilfe vor Ort.

Spenden: Wie man direkt helfen kann

Wer die Bevölkerung in Kherson unterstützen möchte, findet die gebündelten Spendenmöglichkeiten direkt auf humansafari.org – Stop Human Safari / Save Kherson.

Für Spender aus Deutschland ist insbesondere Fellas for Europe e.V. ein nachvollziehbarer deutscher Weg. Der gemeinnützige Verein unterstützt nach eigenen Angaben seit Jahren Projekte in Kherson und beteiligt sich an Schutzmaßnahmen gegen Drohnen. Die offizielle Khersoner Regionalverwaltung bestätigte 2026, dass der Verein eine erhebliche Menge an Netzen in die Region geliefert hat, die Straßen und Infrastruktur gegen Drohnen schützen.

Hinweis: KIVOZ erhält von keiner der genannten Initiativen Geld oder andere Vorteile. Die Verlinkung ist keine Garantie für einzelne Projekte. Wer spendet, sollte wie immer die aktuelle Projektseite, den Verwendungszweck und die Organisationsangaben vor der Zahlung prüfen.

Was die Videos leisten – und was nicht

Videos sind in diesem Krieg zu Beweismitteln geworden. Sie zeigen Blickwinkel der Drohnenoperatoren, Flugwege, Zielauswahl und Reaktionen der Opfer. Gleichzeitig ersetzen sie keine vollständige Ermittlung. Datum, Ort, Schnitt, Urheber und Kontext müssen überprüft werden.

Gerade deshalb sind die unabhängigen Untersuchungen so bedeutsam. Human Rights Watch beschreibt detailliert seine Methoden zur Geolokalisierung, zeitlichen Einordnung und Verifikation. Die UN-Kommission kombinierte Videomaterial mit Interviews, Telegram-Auswertungen und Angaben lokaler Behörden. Der Befund „Human Safari“ beruht damit nicht allein auf der Selbstdarstellung ukrainischer Stellen oder einer einzelnen Kampagnenseite.

Kherson ist zum Labor einer besonders persönlichen Form des Terrors geworden

Der technische Fortschritt bei kleinen Drohnen wurde oft mit der Hoffnung verbunden, Krieg könne präziser werden. Kherson zeigt die dunkle Kehrseite dieser Präzision. Eine Kamera, die einem Operator erlaubt, einen Zivilisten zu erkennen und zu verschonen, kann ebenso dazu benutzt werden, ihn über Hunderte Meter zu verfolgen.

Der entscheidende Punkt ist deshalb nicht, dass Drohnen Menschen versehentlich treffen können. Das können praktisch alle Waffen. Das Besondere an der „Human Safari“ ist der von internationalen Ermittlern dokumentierte Vorsatz: Operatoren sehen zivile Menschen, verfolgen sie und greifen sie trotzdem an.

Auf der anderen Seite des Flusses sind Tausende Zivilisten unter russischer Besatzung in einer humanitären Falle gefangen. Auch dort geht es um Schutz, Versorgung und das Recht, einen gefährlichen Ort freiwillig und sicher verlassen zu können.

Beides gehört zur Geschichte von Kherson: Auf dem rechten Ufer jagt eine dokumentierte russische Drohnenkampagne Zivilisten. Auf dem linken Ufer trägt Russland als Besatzungsmacht Verantwortung dafür, dass die dort lebende Bevölkerung versorgt wird, humanitäre Hilfe erhält und nicht als Schutzschild für militärische Positionen missbraucht wird.

Der Begriff „Human Safari“ klingt zunächst wie eine drastische politische Parole. Nach den Ermittlungen der Vereinten Nationen ist die Wirklichkeit dahinter noch drastischer: Eine systematische Kampagne, in der Menschen beim Einkaufen, Radfahren, Autofahren oder Helfen zu Zielen werden – und deren Bilder anschließend selbst Teil der Einschüchterung sind.

Stand: 1. September 2026. KIVOZ hat die zentrale Dokumentation von humansafari.org mit Berichten der UN-Untersuchungskommission, der UN-Menschenrechtsmission, Human Rights Watch, OSZE/ODIHR, dem IKRK sowie aktueller Berichterstattung abgeglichen. Opferzahlen in einem laufenden Krieg können nachträglich korrigiert werden.